Tagesausblick Hoffnungen und Härtetest

Die Stimmung an den Märkten hellt sich auf - nicht zuletzt dank des Ausblicks von IBM. Der Dax knackt zum Auftakt die Marke von 2800 Punkten. Die Wall Street muss heute jedoch den Härtetest bestehen: Intel, Microsoft und GM melden ihre Ergebnisse.

Hamburg - Hoffnungsvoller Start an der Börse. Der Dax hat gleich zu Handelsbeginn die Marke von 2800 Punkten zurückerobert und kletterte bis 9.30 Uhr auf 2830 Punkte. Die späten Gewinne an der Wall Street, die Gewinnsteigerung von IBM und die Hoffnung, dass Schwergewichte wie General Motors , Intel  und Microsoft  heute nicht enttäuschen, treiben den gebeutelten Deutschen Aktienindex an.

Denn in New York hält die Zuversicht an. Bereits am Montag hatte Citigroup  mit einer deutlichen Gewinnsteigerung für Rückenwind gesorgt. "Es gibt wieder steigendes Käuferinteresse", sagte ein Händler an der Wall Street. "Der Krieg geht dem Ende zu, die Ölpreise fallen, Steuersenkungen stehen an, und die Zinsen sind niedrig". Außerdem wird an der Wall Street damit gerechnet, dass sich Präsident George W. Bush mit Blick auf die Wahl im kommenden Jahr stärker der "Heimatfront" zuwenden wird und versuchen wird, die heimische Konjunktur wieder in Schwung zu bringen.

Dow seit Jahresbeginn im Plus - Dax hinkt hinterher

Der Dow Jones hatte im späten Handel seine Gewinne weiter ausgebaut und schloss 1,8 Prozent fester bei 8351 Punkten. Damit steht der Dow seit Jahresbeginn wieder im Plus - seit dem 02. Januar hat der Index damit immerhin zehn Punkte zugelegt. Der Dax, der das Jahr 2003 mit einem Indexstand von 2893 Zählern begonnen hatte, hat dagegen noch Aufholpotenzial.

Allerdings blieb das Handelsvolumen in New York ausgesprochen gering - die Spannungen zwischen den USA und Syrien halten einige Investoren weiterhin vom Parkett fern.

Doch nachbörslich gab es gute Nachrichten. Der Computerkonzern IBM  hat die Gewinnprognosen zwar um einen Cent verfehlt. Die Tatsache, dass "Big Blue" jedoch erstmals seit fast zwei Jahren den Gewinn wieder gesteigert hat, sorgte für Optimismus. Händler werteten dies als gutes Zeichen für den weiteren Verlauf der Quartalssaison.

IBM  hat im abgelaufenen Quartal auf Grund eines drastischen Sparkurses und durch Werksschließungen den Gewinn auf 1,38 Milliarden Dollar oder 79 Cent je Aktie gesteigert. Im Vorjahreszeitraum hatte der Gewinn noch 1,19 Milliarden Dollar oder 68 Cent je Aktie betragen. Damit blieb der Gewinn blieb zwar um ein Cent unter den Erwartungen, jedoch erfreute der Konzern nach US-Bösenschluss mit einem optimistischen Ausblick.

Dax klettert deutlich

Warten auf Intel und Microsoft

Am heutigen Dienstag kommt die Quartalssaison erst richtig in Schwung. Mit General Motors  und Johnson & Johnson  melden zwei Blue Chips bereits vor Handelsbeginn in New York ihre Ergebnisse. Bei GM wird ein Gewinn pro Aktie (EPS) in Höhe von 1,55 Dollar erwartet, bei J&J sind es 0,68 Dollar.

Nach Börsenschluss stehen die Zahlen des Softwareriesen Microsoft , des Handy-Herstellers Motorola und des Chipherstellers Intel  an. Intel  wird voraussichtlich 0,12 US-Dollar Gewinn pro Aktie für das erste Quartal ausweisen, bei Microsoft werden 0,24 US-Dollar erwartet. Das erwarten die von Thomson Financial/First Call befragten Analysten.

Im vergleichbaren Vorjahresquartal hatte Intel noch ein EPS von 0,14 Dollar erwirtschaftet. Beim Umsatz erwarten die Aktienexperten einen Rückgang von 6,78 Milliarden Dollar ein Jahr zuvor auf nun 6,70 Milliarden Dollar. Das EPS könne einen Cent unter der Durchschnittsprognose liegen, da Intel beabsichtige, erstmals keine Pro-Forma-Ergebnisse mehr, sondern nur noch Ergebnisse nach dem Bilanzierungsstandard GAAP auszuweisen.

Dax mit Rückenwind

Der Dax notierte um 9.30 Uhr knapp zwei Prozent im Plus bei 2830 Punkten. Zu den größten Gewinnern gehörten Infineon, SAP und Deutsche Telekom. Finanzwerte wie die Deutsche Bank  und Autowerte wie Volkswagen  hatten bereits gestern zu den Gewinnern im Index gehört.

Für die europäischen Börsen gibt es mit den Zahlen von Philips jedoch einen kleinen Dämpfer. Der niederländische Elektronikkonzern Philips  hat für das erste Quartal 2003 wie erwartet einen Netto-Verlust von 69 Millionen Euro ausgewiesen, jedoch mit 6,5 Milliarden Euro einen deutlich niedrigeren Umsatz als angenommen erzielt. Der Konzern kündigte eine Fortsetzung seiner Kostensenkungs-Initiativen an.

Heute um 11 Uhr stellt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) sein Frühjahrsgutachten vor. Die Wachstumsprognosen für Deutschland in diesem Jahr liegen nur noch bei 0,5 Prozent. Auch deshalb stellt Bundeskanzler Schröder seiner Partei die Vertrauensfrage, um vor dem Sonderparteitag der SPD Kritiker des Reformprogramms "Agenda 2010" auf Linie zu bringen.

Nikkei legt zu

Die asiatischen Aktienbörsen haben sich am Dienstag auf Grund der festen Vorgaben aus den USA ebenfalls fester präsentiert. Die Investoren kehrten nach fünf Verlust-Tagen zu Standardwerten, wie Toyota zurück. Der 225 Werte umfassende Nikkei -Index schloss 1,2 Prozent fester bei 7848 Punkten. Skepsis der Anleger über eine nachhaltige Erholung der US-Konjunktur hatte den Tokioter Aktienmarkt am Montag auf ein 20-Jahres-Tief gedrückt.

Der Euro legte leicht auf 1,076 US-Dollar zu. Die Ölpreise gaben angesichts des erwarteten baldigen Endes des Krieges in Irak und der Annahme einer raschen Wiederaufnahme der Ölexporte des Landes weiter nach.

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