Öl Opec-Richtpreis in Gefahr

Nach dem Irak-Krieg droht dem Markt eine Ölschwemme. Die Opec muss die Produktion drosseln.

London - Die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) muss ihre Ölförderung nach Einschätzung von Experten erheblich zurückfahren. Ansonsten sei nach der Reaktivierung der irakischen Ölfelder der von dem Kartell angestrebte Preis von 22 bis 28 US-Dollar je Barrel nicht zu halten.

Die zur Stabilisierung des Marktes in der zweiten Jahreshälfte erforderliche Produktionskürzung müsse aber nicht "enorm" sein, heißt es im am Montag veröffentlichten Monatsbericht des Centre for Global Energy Studies (CGES). Eine Kürzung um 500.000 Barrel (je 159 Liter) am Tag dürfte ausreichen, so die Experten.

Die erforderliche Förderkürzung hänge allerdings stark von der Dauer der Export-Unterbrechung im Irak ab. Sollte die Produktion im Irak nach der kriegsbedingten Unterbrechung wieder aufgenommen werden, seien zusätzlich Förderkürzungen in Höhe von zwei Millionen Barrel je Tag notwendig, um den Preis im vom Kartell angestrebten Zielband zu halten.

Straw fordert Uno zur Kooperation auf

Großbritannien hat am Montag die Uno aufgefordert, die seit Wochen gestoppten irakischen Öl-Exporte wieder zu legalisieren. Außenminister Jack Straw sagte in Kuwait-Stadt, es gebe eine Menge rechtlicher Fragen für die Wiederaufnahme der Exporte unter dem bisherigen Uno-Programm "Öl für Lebensmittel". "Viele Fragen werden sich einfacher klären lassen, wenn wir eine konstruktive Erwiderung der Vereinten Nationen haben", sagte Straw.

Die irakischen Ölexporte im Rahmen des Uno-Programms waren nach dem Abzug der Waffeninspektoren kurz vor Beginn des Irak-Kriegs gestoppt worden. Bis dahin hatte Irak pro Tag 1,7 Millionen Barrel exportiert. Nach Uno-Angaben liegt wegen der ungeklärten Rechtslage etwa in der Türkei verkauftes irakisches Öl fest.

Ölpreis fällt weiter

Die Sorge vor einem Überangebot an Rohöl auf dem Weltmarkt hat den Ölpreis am Montag unter Druck gesetzt. Gegen Mittag kostete ein Barrel der Nordseesorte Brent 24,35 Dollar. Das waren 1,62 Prozent weniger als am Freitag.

Händler nannten als Grund für den neuerlichen Preisrückgang die Sicherung der Ölstadt Kirkuk im Irak durch US-geführte Truppen. Zudem werde damit gerechnet, dass der Irak den kriegsbedingt unterbrochenen Ölexport bereits in den kommenden Wochen wieder aufnehmen werde, sagten Händler.

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