IBM Der Fels in der Brandung

Ein Ende der IT-Krise ist noch nicht in Sicht. Doch "Big Blue" dürfte sich von der Konkurrenz weiter absetzen, meinen Analysten. Für die meisten Experten bleibt die Aktie ein "Kauf".

New York – Nach einem schwachen vierten Quartal in 2002 rechnen die Experten bei dem Computer-, Software und Dienstleistungskonzern IBM  mit einem deutlichen Gewinnanstieg. IBM wird heute nach Handelsschluss an der Wall Street seine Geschäftszahlen für das erste Quartal in diesem Jahr vorlegen.

Die von Thomson Financial/First Call befragten Analysten erwarten im Schnitt einen Gewinn je Aktie (EPS) von 0,79 Dollar. Im entsprechenden Vorjahresquartal hatte das Unternehmen ein EPS von 0,73 Dollar erreicht. Im vierten Quaral 2002 war der Gewinn je Aktie auf 0,59 Dollar eingebrochen. Der Umsatz dürfte um mehr als eine Milliarde Dollar auf 19,852 Milliarden Dollar gestiegen sein, schätzen die Analysten.

Das erste Quartal gilt traditionell als schwaches Quartal bei IBM. Nach der Trennung von weniger profitablen Geschäften wie der Festplatten-Herstellung im vergangenen Jahr sehen viele Aktienexperten das Unternehmen aber in einer guten Ausgangsposition, um sich besser als die Konkurrenz zu entwickeln.

Märkte interessiert vor allem der Ausblick

Im Zentrum der Aufmerksamkeit dürfte der Ausblick auf das laufende Geschäft stehen. Analysten erwarten für das laufende Quartal im Schnitt ein EPS von knapp einem Dollar bei einem Umsatz von 21,344 Milliarden Dollar. Richard Gardner von Smith Barney Citigroup geht davon aus, dass IBM am für 2003 geplanten zweistelligen Gewinnwachstum festhalten wird.

Steven Milunovich von Merrill Lynch erwartet, dass die meisten Unternehmen der Branche für das laufende Quartal das übliche Umsatzwachstum in Aussicht stellen werden. "Allerdings könnten der Irakkrieg und die Lungenkrankheit SARS Sündenböcke für schwächere Ausblicke sein."

Gardner vermutet, dass IBM in nahezu allen Bereichen Marktanteile hinzugewonnen hat. Mögliche Schwächen in den Bereichen Enterprise Hardware und Infrastruktur-Software ließen sich dadurch ausgleichen.

Schwacher Dollar kommt "Big Blue" gelegen

Zudem wirkt sich nach Ansicht von Analysten der schwächere Dollar vorteilhaft aus. Milunovich erwartet, dass Währungseffekte den Umsatz im abgelaufenen Quartal um drei bis sieben Prozentpunkte nach oben gezogen haben dürften.

Der Analyst von Merrill Lynch hatte Anfang April seine Kaufempfehlung für die Aktie erneuert. Seine Erwartung für den Gewinn je Aktie (EPS) für das gesamte Jahr 2003 ließ er unverändert. Demnach könnte IBM einen Gewinn pro Aktie von 4,28 Dollar erreichen. Im Jahr 2004 sei ein Gewinn pro Aktie von 4,85 US-Dollar möglich.

Auch Analysten der US-Bankhäuser SG Cowen und Wachovia Securities hatten Anfang April ihre Kaufempfehlung für die Aktie von "Big Blue" aufgefrischt und liegen damit im Trend. Verkaufsempfehlungen sind derzeit kaum zu registrieren.

IBM selbst sieht die Branche in einer Übergangsphase

Die Einigkeit unter den Experten ist beeindruckend, denn ein Ende der IT-Krise ist nicht in Sicht, wie etwa nicht zuletzt der neue IBM-Deutschlandchef, Walter Raizner, Mitte Februar erklärte. Die Branche befinde sich noch in einer Übergangsphase. Das Jahr werde durch Konsolidierung und das Verschwinden einiger Mitbewerber vom Markt gekennzeichnet sein.

Dennoch laufe es bei "Big Blue" besser als bei der Konkurrenz, konstatieren die meisten Experten. So rechnet Goldman Sachs bei IBM fortgesetzt mit "verlässlichen Einnahmen und Gewinnen".

IBM: Ein Jahr des Übergangs IBM: Gewinneinbruch

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