Die Trinkaus-Kolumne Mikro statt Makro

Ist das Frühlingserwachen an den Börsen nur eine Scheinblüte? Statt nach Bagdad zu starren, sollten Investoren jetzt besser auf die Unternehmensdaten achten. Und die sehen noch nicht rosig aus, warnt Aktienstratege Klaus Lüpertz.

Ist der Krieg aus? Es könnte sein. Zumindest gehen die Aktienmärkte davon aus und die Erleichterung über die Entwicklung der vergangenen Woche könnte die Kurse noch etwas nach oben laufen lassen.

Die Angst vor anhaltenden Auseinandersetzungen sinkt. Die Befürchtungen, der Krieg belaste die Weltkonjunktur über einen nachhaltig steigenden Ölpreis, sind zunächst in den Hintergrund gerückt. Selbst der Glaube an dauerhafte Rückgänge bei den Investitionen lässt nach.

Doch wie sind die Fakten? Nach den jüngsten Entwicklungen in Bagdad ist das ehemalige Regime vor Ort wohl mit Fug und Recht als "gestürzt" zu bezeichnen. Doch wo ist Saddam Hussein? Keiner weiß es genau. Der Diktator ist ebenso abgetaucht wie Osama bin Laden.

Kurzfristige Erholung wahrscheinlich

Jetzt scheint sie also da zu sein, die von vielen so sehr herbeigesehnte "Zeit nach dem Krieg". Doch bereits am Donnerstag und Freitag vergangener Woche war bei vielen Marktteilnehmern eine gewisse Enttäuschung darüber zu spüren, dass die Kurse den militärischen Sieg der amerikanisch-britischen Kriegskoalition nicht sehr viel deutlicher honorierten.

Die jüngsten Wirtschaftsdaten waren sehr heterogen, allerdings messe ich den Daten im jüngsten Umfeld auch keine allzu große Bedeutung bei. Es ist sicher, dass die nächsten Konsumentenumfragen noch einmal einen positiven Swing bekommen – alles andere wäre eine Riesenüberraschung. Eine Erholung der so genannten Sentimentindikatoren kennen wir ja bereits aus der Zeit nach dem Golfkrieg 1991. Diese Daten werden dann die Aktienmärkte zusätzlich unterstützen.

Wo sind die Hoffnungsträger?

Doch sollten die Investoren lieber das Augenmerk auf das richten, was tatsächlich in der Wirtschaft abläuft. Dazu zählen die Einzelhandelsumsätze und die Industrieproduktion in den USA auf der Makroseite, dazu zählen aber vor allem auch die Unternehmensberichte.

Hier starten in der laufenden Woche traditionell die Technologieunternehmen. Krisenzeiten, wie wir sie gerade erlebt haben, sind üblicherweise Phasen, in denen die Qualität der Unternehmensberichte stark variiert. Normal wäre, dass die großen und dominanten Player weitere Marktanteilsgewinne zu verbuchen haben; die kleineren und mittelgroßen Player haben dagegen eher mit Problemen zu kämpfen.

Beispiel SAP : Der Walldorfer Softwarehersteller hat über das vierte Quartal 2002 überraschend gut berichtet. Jetzt gilt es abzuwarten, ob dieser Trend auch in den ersten drei Monaten 2003 angehalten hat. Ich gehe davon aus, dass es bei einigen großen Tech-Playern trotz mittlerweile stark gesenkten Analystenerwartungen zu Enttäuschungen bei Umsatz und Gewinn kommt, was wiederum einen Dämpfer für die Kurse und das zarte Pflänzchen Hoffnung bedeutet.

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