Tagesausblick Saddam geschlagen - die Baisse nicht

Die Nebel der Kriegswirren im Irak lüften sich. Damit werden alte Schwächen wieder offenbar - von "Saddam-Effekt" keine Spur. Die Investoren bleiben skeptisch und ducken sich vor der Zahlenflut aus den USA.

Hamburg – Seit dem Morgengrauen rücken amerikanische Panzer nach Tikrit ein. Damit fällt die letzte Bastion von Saddam Hussein. Der Krieg geht in seine Schlussphase. Doch der in den vergangenen Wochen viel beschworene "Saddam-Effekt" an den internationalen Aktienmärkten will sich nicht einstellen.

Was bleibt, sind zunächst Befürchtungen, dass die vorläufig auf 100 Milliarden Dollar geschätzten Kosten für die ersten Schritte des Wiederaufbaus im Irak die Weltwirtschaft belasten könnten. Zugleich treten aus Sicht der Pessimisten alte Schwächen in den Vordergrund.

Dazu zählen sie unter anderem das riesige Loch in der Haushalts- und Leistungsbilanz der USA sowie die hohe Verschuldung auch der privaten Verbraucher. Der Krieg werde auch die Ertragsschwäche der Konzerne nicht binnen drei Wochen in den irakischen Wüstensand vertrieben, sondern die Probleme eher noch verschärft haben, sagen Marktbeobachter. Darauf verwiesen bereits am vergangenen Freitag die deutlich rückläufigen Gewinne des Mischkonzerns General Electric .

Die Investoren bleiben angesichts der anlaufenden US-Berichtssaison vorsichtig. Der Dow Jones gab in den vergangenen fünf Handelstagen unter dem Strich rund ein Prozent ab. Dabei lagen am Freitag Konjunkturdaten wie das US-Verbrauchervertrauen und Einzelhandelsdaten sogar über den Erwartungen der Märkte. Mag sein, dass diese erfreulichen Signale noch im Laufe der verkürzten Handelswoche an der Börse ihren positiven Widerhall finden werden. Vorerst aber stehen die Geschäftszahlen im Vordergrund.

So berichten am heutigen Montag unter anderem mit der Bank of America und Citigroup  gleich zwei Schwergewichte der Finanzbranche über ihren Geschäftsverlauf. Der führende Computer- und Technologiekonzern IBM  dürfte auch Aufschluss über den Zustand der gesamten Branche geben.

Am Dienstag folgen dann Intel , Microsoft  und Motorola. Einen Tag später berichten unter den Technologiekonzernen unter anderem AMD, Sun und Apple Computer . Sehr genau werden die Analysten die Geschäftszahlen des weltgrößten Autobauers General Motors  unter die Lupe nehmen. Hatte in der vergangenen Woche doch die Ratingagentur S&P den Ausblick für das Kreditrating des Konzerns auf "negativ" gesetzt.

Aus deutscher Sicht dürften in dieser verkürzten Handelswoche die Geschäftszahlen von SAP  stehen. Die Walldorfer Softwareschmiede werde sich trotz mehrerer schlechter Zahlen der US-Konkurrenten PeopleSoft  und Siebel Systems  in der Branche behaupten können, schrieb der Analyst Knut Woller in einem Ausblick der HypoVereinsbank.

Ebenfalls für Donnerstag erwarten die Märkte die Zahlen des weltgrößten Handyherstellers Nokia . Das Unternehmen hat nach Meldungen der vergangenen Woche 1800 Stellen in seiner Netzwerksparte gestrichen. Im Handy-Geschäft dürfte es allerdings besser gelaufen sein, heißt es.

Mit Argusaugen werden die Börsianer auch auf Allianz  schauen. Der Versicherer hatte am Wochenende im Zusammenhang mit seiner Kapitalerhöhung den Bezugspreis für die neuen Aktien auf 38 Euro festgelegt. Damit dürften dem Konzern rund 4,4 Milliarden Euro aus der Kapitalerhöhung zufließen – knapp eine Milliarde mehr als zunächst erwartet. Vereinzelt hatten Marktteilnehmer sogar mit einem Bezugspreis zwischen 40 und 45 Euro gerechnet.

Ob nun diese angestrebten 4,4 Milliarden Euro allerdings den Kapitalhunger des Konzerns stillen können, ist ungewiss. Die Allianz selbst hatte in der Vergangenheit von rund fünf Milliarden Euro gesprochen, um die angeschlagene Kapitalbasis zu sanieren.

Die asiatische Leitbörse in Tokio schloss am Montag erneut mit Verlusten. Der Nikkei gab 0,8 Prozent auf 7752 Zähler ab und markierte damit ein 20-Jahrestief.

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