Affäre Glück oder Vorteilsnahme?

Die Staatsanwaltschaft prüft ein Aktiengeschäft von Ex-Minister Rudolf Scharping.

Hamburg – Wie DER SPIEGEL vorab berichtet, prüfen Fahnder der Staatsanwaltschaft Frankfurt in der Hunzinger/Scharping-Affäre einen neuen Aspekt: Wie im vergangenen Sommer bekannt wurde, hatte der damalige Bundesverteidigungsminister Rudolf Scharping Aktien der Firma Utimaco Safeware beim Börsengang geordert – und trotz enormer Nachfrage eine Zuteilung bekommen.

Pikant: Im Emissionsprospekt der Firma aus Oberursel, die vorwiegend Kryptografierprogramme herstellt, sind die Bundeswehr und die Nato als wichtige Kunden genannt. Scharping hatte die Aktien zwei Tage später nahe ihrem Allzeithoch wieder verkauft und den so erzielten Gewinn von mehr als 200 Prozent zunächst nicht versteuert. Auffällig ist, dass der SPD-Politiker bei seiner nachträglichen Selbstanzeige weder den Namen der Aktie noch das Kauf- oder Verkaufsdatum genannt hatte.

Sollte Scharping bei der Zuteilung der Papiere bevorzugt worden sein, wäre das nach Ansicht von Juristen aller Voraussicht nach Vorteilsnahme. Oder hat Scharping einfach nur Glück bei der Verlosung der vielfach überzeichneten Aktien gehabt? Solche Zufälle soll es ja geben.

Scharping wies am Samstag Vermutungen als "haltlos" zurück, es habe sich bei dem Geschäft um Vorteilsnahme gehandelt. Zu den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wollte er sich nicht äußern. Ein Sprecher der Frankfurter Staatsanwaltschaft wollte zu dem Bericht ebenfalls keine Stellung nehmen.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.