Allianz Aktie fährt Achterbahn

Nach furiosem Start fällt der Wert zeitweilig in die Verlustzone, kann sich gegen Mittag aber wieder fangen. Kritische Stimmen warnen, der Kapitalhunger der Allianz sei noch nicht gestillt.

München – Die Allianz  hat am Wochenende den mit Spannung erwarteten Bezugspreis für die neuen Aktien bekannt gegeben, er beträgt 38 Euro. Damit werden dem Münchener Finanzriesen bei der anstehenden Kapitalerhöhung rund 4,4 Milliarden Euro durch die Ausgabe neuer Aktien in die Kasse gespült, deutlich mehr als ursprünglich geplant.

Die Aktie legte bis Mittag eine Berg- und Talfahrt hin. Nach satten Kursaufschlägen am Morgen rutschte der Wert zeitweilig mit zwei Prozent in die Verlustzone und notierte gegen Mittag erneut mit rund zwei Prozent auf 58,25 Euro im Plus.

Marktbeobachter wollten nicht ausschließen, dass die Aktie nun wieder verstärkt in den Fokus von Hedgefonds geraten könne. Am Freitag war der Wert mit Verlusten von rund 3,50 Prozent aus dem Handel gegangen.

Früheren Angaben zufolge sollten die 117 Millionen Papiere 3,5 bis 4,0 Milliarden Euro erlösen. Das Gesamtvolumen von fünf Milliarden Euro an frischem Kapital bleibe aber unverändert, betonte die Allianz.

HVB sieht Kapitalbedarf noch nicht gedeckt

Analysten hatten im Vorfeld die Kapitalerhöhung grundsätzlich begrüßt, kritisierten allerdings gegenüber manager-magazin.de den Verwässerungseffekt des Gewinns je Aktie und forderten mitunter eine strategische Neuausrichtung des Versicherers. Analyst Oliver Flade von der HypoVereinsbank (HVB) argwöhnte am Montag, die Allianz könne noch mehr Kapital benötigen, um ihre Probleme zu lösen - besonders, falls die Aktienmärkte noch fallen sollten.

J.P. Morgan und WGZ-Bank äußern sich positiv

Analysten der WGZ-Bank und der Investmentbank J.P. Morgan hingegen äußerten sich positiv zu den jüngsten Nachrichten. Das Volumen der Kapitalerhöhung liege über der ursprünglich angedachten Spanne von 3,5 bis vier Milliarden Euro. Die im weiteren Jahresverlauf geplante nachrangige Anleihe könnte nun unter Umständen auf ein Volumen von rund 500 bis 600 Millionen Euro reduziert werden, erklärten beide Institute.

Die Investmentbanker von Merrill Lynch stuften die Aktie am Montagvormittag von "Verkaufen" auf "Neutral" hoch. Eine Begründung lag zunächst noch nicht vor.

Die Allianz hatte das Volumen der Bonds bislang auf 1,5 Milliarden Euro beziffert. Die WGZ-Bank erneuerte am Montag ihre Kaufempfehlung für die Allianz-Aktie. Die Experten von J.P. Morgan beließen den Wert auf "Übergewichten".

Bezugspreis bedeutet Abschlag von 41 Prozent

Bezugspreis bedeutet Abschlag von 41 Prozent

Der Handel mit den Bezugsrechten für die neuen Allianz-Aktien beginnt an diesem Dienstag. Der Preis von 38 Euro bedeutet einen Abschlag von gut 33 Prozent zum Schlusskurs vom Freitag (56,95 Euro). Basierend auf dem Schlusskurs der Allianz-Aktie am 19. März 2003, dem Tag vor der Ankündigung der Kapitalmaßnahmen, bedeutet der Bezugskurs einen Abschlag von rund 41 Prozent.

Der Konzern hatte die Beschaffung frischen Kapitals nach dem ersten Verlust der Nachkriegsgeschichte angekündigt, der im vergangenen Jahr mit 1,2 Milliarden Euro gleich sehr hoch ausfiel.

Wie zuvor angekündigt, werden Aktionären je 15 alte Allianz-Aktien sieben neue zum Bezug angeboten. Zu diesem Verhältnis bietet die Allianz auch neue Genussscheine an. Mit einem Bezugskurs von 59,20 Euro pro Genussschein dürfte die Allianz auf diesem Wege weitere gut 22 Millionen Euro einnehmen.

Die Ausgabe einer Anleihe sollte früheren Angaben zufolge nochmals rund 1,5 Milliarden Euro einbringen. Da der Gesamtrahmen der Kapitalerhöhung aber bei fünf Milliarden Euro bleibt, dürfte die Anleihe nun geringer ausfallen. Ein Allianz-Sprecher nahm dazu keine Stellung.

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