TUI Reiselust in Rekordmanier befriedigt

Europas führender Reiseveranstalter profitiert vom anhaltenden Fernweh der Deutschen. Nach einem Rekordgeschäftsjahr 1997/98 (30. September) soll auch die laufenden Saison zweistellige Zuwachsraten bescheren.

Hannover - Der Reiseriese hat im ersten Jahr unter dem Dach des Preussag-Konzerns mit 175 Millionen Mark seinen bisher höchsten Jahresüberschuß erzielt, berichtete TUI-Vorstandschef Ralf Corsten am Montag. Für 1998/99 will TUI nach Zuwächsen in der aktuellen Wintersaison sowie auch bei den Sommerbuchungen noch einmal zweistellig zulegen.

"Die Finanzlage der TUI ist ausgezeichnet. Sie eröffnet weitere Handlungsspielräume für die Ausweitung des Geschäfts", sagte Vorstandsmitglied Helmut Roland. Der Reingewinn bezieht sich dabei auf ein verkürztes elfmonatiges Geschäftsjahr. Mit der Eingliederung in den Preussag-Konzern wurde der Bilanzstichtag der TUI vom 31. Oktober auf den 30. September vorverlegt. Alle folgenden Bilanzzahlen berechnete TUI zur besseren Vergleichbarkeit jedoch zum 31. Oktober.

Mit einem TUI-Veranstalter reisten 1997/98 sieben Millionen Gäste, acht Prozent mehr als im Vorjahr. Der Gesamtumsatz lag bei 8,6 Milliarden Mark (plus sechs Prozent). Allein die deutschen Veranstalter erreichten mit 5,1 Millionen Reisenden einen Umsatz von 6,5 Milliarden Mark (plus fünf Prozent). Neben dem ungebremsten Boom bei Flugreisen verzeichnete TUI eine Renaissance von Auto- und Bahnreisen. Zudem gab es starke Zuwächse bei der Niedrigpreismarke 1-2-Fly wie bei den teuren Reisen von airtours. Auf den ausländischen Märkten hatte TUI ein Plus in Österreich, Belgien und den Niederlanden, jedoch Verluste in der Schweiz. Die Zahl der Mitarbeiter nahm um rund 600 auf 9800 zu.

Auf dem Reisemarkt in Europa erwartet TUI-Chef Corsten bei anhaltendem Wachstum einen sich verschärfenden Wettbewerb, unter anderem durch neue Anbieter. Die Folge sei eine weitere Konzentration, an der TUI in den vergangenen Monaten schon maßgeblich beteiligt war. Durch die Gründung der Hapag Touristik Union (HTU) sei die führende Position der TUI in Europa weiter ausgebaut worden.

In der Preussag-Holding HTU sind die TUI, der Touristik-Bereich der Hapag-Lloyd AG sowie die größte deutsche Reisebürokette First und die britischen Anbieter Thomas Cook und Carlson UK zusammengefaßt. "Die Europäisierung und Globalisierung schreitet auch in der Tourismusindustrie voran und wird noch weitere Länder in Europa betreffen", sagte Corsten. "Es bleibt spannend." Dies gelte auch für Länder wie Frankreich und Italien, ergänzte Corsten.

Bereits entschieden ist laut Corsten in der HTU, daß TUI nach der Übernahme von Cook und Carlson durch die Preussag in Großbritannien selbst keine Reisen anbieten wird. Die ersten Schritte zum Aufbau der HTU seien planmäßig «still, leise und reibungslos" erfolgt, meinte Corsten. Wie Preussag-Konzernchef Michael Frenzel im "Handelsblatt" (Montagausgabe) erklärte, soll die HTU Führungsgesellschaft werden und operative Funktionen der Reisetöchter übernehmen. Voraussetzung sei allerdings, daß die Deutsche Bahn AG ihren 25 Prozent-Anteil an TUI abgebe. Laut Corsten gibt es keine Anzeichen für eine Änderung bei den Anteilseignern.