Übernahme Telecom Italia vom Handel ausgesetzt

Die Mailänder Börse reagierte am Montag mit Kurssprüngen von Telecom Italia und einem Absturz der Olivetti-Aktien auf einen der größten feindlichen Übernahmeversuche in der europäischen Wirtschaftsgeschichte.

Mailand/Düsseldorf - Nachdem sowohl Olivetti als auch Telecom Italia und ihre Mobilfunktochter TIM mit heftigen Kurssprüngen eröffneten, sank der Kurs der Olivetti-Aktien eine halbe Stunde nach Beginn des Handels um 4,82 Prozent. Unmittelbar nach Beginn des Handels hatte Olivetti um 6,38 Prozent auf 3,42 Euro zugelegt.

Telecom Italia und TIM wurden kurz nach Eröffnung der Börse wegen überhöhter Kursanstiege vom Handel ausgesetzt. Der theoretische Preis der Telecom Italia Aktien hat bereits zehn Euro, also den Preis des Übernahmeangebots von Olivetti erreicht. Die italienischen Börsenhändler rechnen damit, daß von interessierter Seite über Interventionen an der Börse versucht wird, die Übernahme der Telecom Italia durch die viel kleinere Olivetti zu verhindern.

Olivetti kündigte derweil die Einberufung einer außerordentlichen Hauptversammlung an, auf der über eine Kapitalerhöhung beschlossen werden soll. Am Wochenende hatte der Mischkonzern Pläne für eine feindliche Übernahme des weit größeren Rivalen im Telekom-Geschäft, der Telecom Italia, für einen Gesamtkaufpreis von 58,3 Milliarden Dollar (rund 100 Milliarden Mark) bekanntgegeben. Olivetti veröffentlichte am Wochenende außerdem einen entsprechenden fünfseitigen Antrag, den sie an die italienische Aktienaufsichtsbehörde Consob gestellt hat.

Wenige Stunden zuvor hatte die italienische Nachrichtenagentur Ansa berichtet, Europas größtes Mobilfunkunternehmen Telecom Italia Mobile (TIM) werde möglicherweise ein Angebot zur Übernahme seiner eigenen Muttergesellschaft vorlegen, um die Pläne Olivettis zu verhindern. Telecom Italia ist der frühere staatliche Telefonmonopolist. Ihm gehören 60 Prozent von TIM; der Rest wird an der Mailänder Börse gehandelt. Mit dem Antrag bei der Aufsichtsbehörde Consob machte Olivetti nach Ansicht von Experten unter Umständen für Telecom Italia oder TIM die Möglichkeit von Kapitalerhöhungen zunichte, die die Übernahme verteuern würden.

Zur Finanzierung der Übernahme will Olivetti seine Anteile an den italienischen Mobilfunk- beziehungsweise Festnetz-Betreibern Omnitel und Infostrada an die Düsseldorfer Mannesmann AG verkaufen, die bereits an beiden Firmen beteiligt ist. Mannesmann teilte mit, die Veräußerung stehe unter dem Vorbehalt des Erfolgs der Telecom-Italia-Übernahme. Als Kaufpreis seien 14,9 Milliarden Mark vereinbart.