Infomatec Eklat zum Auftakt

Der Augsburger Strafprozess gegen die Ex-Vorstände Alexander Häfele und Gerhard Harlos geriet bereits nach der Anklageverlesung ins Stocken. Ein Verteidiger hält den Vorsitzenden Richter für befangen.
Von Clemens von Frentz

Augsburg - Nach der Verurteilung von Comroad-Gründer Bodo Schnabel, der Prozesseröffnung gegen die Haffa-Brüder und der Anklage gegen Ex-Metabox-Chef Stefan Domeyer begann am heutigen Dienstag vor der 3. Strafkammer des Landgerichts Augsburg ein weiteres Verfahren gegen ehemalige Manager eines Nemax-Unternehmens.

Angeklagt sind die früheren Infomatec-Vorstände Gerhard Harlos und Alexander Häfele. Den beiden 42-Jährigen wird Gründungsschwindel, Kapitalanlage- und Kursbetrug sowie illegaler Insiderhandel vorgeworfen. Der Schaden der getäuschten Anleger wird auf rund 250 Millionen Euro geschätzt.

Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft haben Harlos und Häfele bereits beim Börsengang im Frühsommer 1998 den Wert der neu gegründeten Infomatec AG  stark überhöht dargestellt. Der reale Wert der Anteile von damals rund 2,7 Millionen Euro sei bewusst auf 101 Millionen Euro taxiert worden.

Dadurch wurde der Emissionspreis der Aktie nach Ansicht der Ermittler zu hoch angesetzt und der Aktienkurs durch falsche Angaben in die Höhe getrieben. Zudem sollen die Angeklagten fünf Firmen, die sie vor dem Börsengang in die neu gegründete Infomatec einbrachten, viel zu hoch bewertet haben.

1,6 Millionen eigene Anteile verkauft

Der Vorwurf des Insiderhandels bezieht sich auf einen Aktienverkauf der beiden Manager, bei dem sie insgesamt 1,6 Millionen eigene Anteile veräußerten. Der Verkaufswert der Aktien lag nach Informationen der Ermittler bei über 35 Millionen Mark.

Allein für die Insidergeschäfte droht den beiden Bayern theoretisch eine Strafe von bis zu fünf Jahre Haft. Beide waren Ende 2000 als erste Vorstände am Neuen Markt verhaftet und in Untersuchungshaft genommen worden; dort verblieben sie rund sechs Monate, ehe sie im April vergangenen Jahres gegen Auflagen wieder freigelassen wurden.

Nach Informationen des Nachrichtenmagazins DER SPIEGEL haben Gerhard Harlos und Alexander Häfele jedoch gute Chancen, mit einer geringeren Strafe als erwartet davonzukommen.

Hintergrund: Die Staatsanwälte hatten zum Anklagepunkt der Falschbewertung zwei Gutachter beauftragt und gleichzeitig gegen zwei Wirtschaftsprüfer der Münchner Kanzlei Haarmann, Hemmelrath & Partner ermittelt, die den Wert der Start-up-Firma beim Börsengang taxiert hatten. Eine Expertise kam jedoch zu dem überraschenden Ergebnis, dass die Berechnungsmethode der Prüfer zulässig war.

Nach Angaben des SPIEGEL haben die Augsburger Ermittler bereits Kontakt mit den Anwälten der Kanzlei Haarmann, Hemmelrath & Partner aufgenommen, um über eine Einstellung des Verfahrens - teilweise gegen Geldauflagen - zu beraten.

Befangenheitsantrag gegen den Richter

Anwalt Rotter erwartet mehrjährige Haftstrafe

Einige Fachleute dagegen hoffen unverändert auf ein hohes Strafmaß. Rechtsanwalt Klaus Rotter von der Grünwalder Kanzlei Rotter, die zahlreiche geschädigte Aktionäre vertritt, geht von einer mehrjährigen Haftstrafe aus.

Rotter gegenüber manager-magazin.de: "Die Vergehen von Harlos und Häfele sind vergleichbar mit denen des Ex-Comroad-Vorstands Bodo Schnabel. Sie haben die einzelnen Straftaten nicht nur einmal, sondern mehrmals begangen und so Tausende von Anlegern geschädigt."

Verteidiger stellt Befangenheitsantrag

Die Angeklagten hätten in den Jahren 1998 bis 2000 "fortwährend und mit allen Mitteln versucht, den Aktienkurs nach oben zu treiben". Dieser Umstand eröffne dem Richter die Möglichkeit, ein hohes Strafmaß festzulegen.

Zunächst jedoch musste sich der zuständige Richter Rainer Brand nach der Anklage-Verlesung mit einem Befangenheitsantrag auseinandersetzen. Eingereicht worden war dieser von Häfeles Verteidiger Winfried Holtermüller, der seinen Vorstoß mit der Gefahr begründete, dass der Vorsitzende Richter und seine Beisitzer wichtige Beweise nicht angemessen würdigten, da sie ein "Verfahren um jeden Preis" wollten.

Der Jurist machte geltend, der Richter habe eine Einschätzung des Oberlandesgerichts München missachtet, wonach hinsichtlich des Insider-Verdachts nicht der erforderliche dringende Tatverdacht bestehe. Das Gericht erklärte den Befangenheitsantrag der Verteidigung für zulässig. Nun sollen bis zum Nachmittag andere Richter entscheiden, wie das Verfahren fortgesetzt wird.

Die Aktie des heute insolventen Unternehmens zog im Tagesverlauf deutlich an, was auch dem Umstand geschuldet sein dürfte, dass der Angeklagte Harlos am Rande der Verhandlung erneut eine Rettung der Firma in Aussicht stellte. Der Infomatec-Kurs stieg bis 15.30 Uhr um mehr als 60 Prozent und notierte damit bei fünf Cent. Vor einigen Jahren, auf dem Höhepunkt des Schaffens von Häfele und Harlos, war die Aktie noch für 290 Euro gehandelt worden.


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