Montag, 24. Februar 2020

Infomatec Eklat zum Auftakt

Der Augsburger Strafprozess gegen die Ex-Vorstände Alexander Häfele und Gerhard Harlos geriet bereits nach der Anklageverlesung ins Stocken. Ein Verteidiger hält den Vorsitzenden Richter für befangen.

Augsburg - Nach der Verurteilung von Comroad-Gründer Bodo Schnabel, der Prozesseröffnung gegen die Haffa-Brüder und der Anklage gegen Ex-Metabox-Chef Stefan Domeyer begann am heutigen Dienstag vor der 3. Strafkammer des Landgerichts Augsburg ein weiteres Verfahren gegen ehemalige Manager eines Nemax-Unternehmens.

Vor dem Kadi: Alexander Häfele (l.) und Gerhard Harlos (r.) warten am Dienstag (01.04.2003) im Landgericht Augsburg mit dem Anwalt Klaus Rödl (Mitte) auf den Beginn ihres Prozesses
Angeklagt sind die früheren Infomatec-Vorstände Gerhard Harlos und Alexander Häfele. Den beiden 42-Jährigen wird Gründungsschwindel, Kapitalanlage- und Kursbetrug sowie illegaler Insiderhandel vorgeworfen. Der Schaden der getäuschten Anleger wird auf rund 250 Millionen Euro geschätzt.

Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft haben Harlos und Häfele bereits beim Börsengang im Frühsommer 1998 den Wert der neu gegründeten Infomatec AG Börsen-Chart zeigen stark überhöht dargestellt. Der reale Wert der Anteile von damals rund 2,7 Millionen Euro sei bewusst auf 101 Millionen Euro taxiert worden.

Dadurch wurde der Emissionspreis der Aktie nach Ansicht der Ermittler zu hoch angesetzt und der Aktienkurs durch falsche Angaben in die Höhe getrieben. Zudem sollen die Angeklagten fünf Firmen, die sie vor dem Börsengang in die neu gegründete Infomatec einbrachten, viel zu hoch bewertet haben.

1,6 Millionen eigene Anteile verkauft

Der Vorwurf des Insiderhandels bezieht sich auf einen Aktienverkauf der beiden Manager, bei dem sie insgesamt 1,6 Millionen eigene Anteile veräußerten. Der Verkaufswert der Aktien lag nach Informationen der Ermittler bei über 35 Millionen Mark.

Allein für die Insidergeschäfte droht den beiden Bayern theoretisch eine Strafe von bis zu fünf Jahre Haft. Beide waren Ende 2000 als erste Vorstände am Neuen Markt verhaftet und in Untersuchungshaft genommen worden; dort verblieben sie rund sechs Monate, ehe sie im April vergangenen Jahres gegen Auflagen wieder freigelassen wurden.

Nach Informationen des Nachrichtenmagazins DER SPIEGEL haben Gerhard Harlos und Alexander Häfele jedoch gute Chancen, mit einer geringeren Strafe als erwartet davonzukommen.

Hintergrund: Die Staatsanwälte hatten zum Anklagepunkt der Falschbewertung zwei Gutachter beauftragt und gleichzeitig gegen zwei Wirtschaftsprüfer der Münchner Kanzlei Haarmann, Hemmelrath & Partner ermittelt, die den Wert der Start-up-Firma beim Börsengang taxiert hatten. Eine Expertise kam jedoch zu dem überraschenden Ergebnis, dass die Berechnungsmethode der Prüfer zulässig war.

Nach Angaben des SPIEGEL haben die Augsburger Ermittler bereits Kontakt mit den Anwälten der Kanzlei Haarmann, Hemmelrath & Partner aufgenommen, um über eine Einstellung des Verfahrens - teilweise gegen Geldauflagen - zu beraten.

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