Telekom EU nimmt T-Online unter die Lupe

Die Europäische Kommission prüft, ob der ehemalige Monopolist den Wettbewerb auf dem europäischen Internet-Markt mit Subventionen an T-Online behindert.

Brüssel/Hamburg/Frankfurt - Die Europäische Kommission hat ein Verfahren gegen die Deutsche Telekom eingeleitet. Die Kommission prüft, ob der ehemalige Monopolist den Wettbewerb im europäischen Internet-Geschäft behindert. Das sagte ein Sprecher von EU-Wettbewerbskommissar Karel Van Miert dem "Wall Street Journal Europe". Auslöser sei eine Beschwerde von America Online Europa, einer gemeinsamen Tochter von AOL und Bertelsmann, in Brüssel gewesen.

AOL wirft der Telekom vor, wettbewerbswidrig die Tochter T-Online mit Gewinnen aus dem Telefongeschäft zu subventionieren. "Der Fall T-Online ist typisch für die Verzerrung des Online-Wettbewerbs durch die Ex-Monopol-Gesellschaften in den europäischen Ländern", bekäftigte Stephan Naundorf, ein Sprecher von AOL-Europa. Dabei gehe es nicht nur um eine undurchsichtige Preisstruktur, sondern auch um andere Benachteiligungen. Der frühere Monopolist profitiere unter anderem von seinem weitverzweigten Filialnetz und dem umfangreichen Kundenstamm. Die Kommission habe den Antrag zur Prüfung angenommen und werde innerhalb der nächsten sechs Wochen untersuchen, ob ein Verfahren gegen die Telekom eingeleitet werde, erklärte Naundorf weiter.

Auch die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post hat sich in den Fall eingeschaltet und bat den Branchenriesen um Details über die Reformpläne, wie ein Sprecher des Amtes erklärte.

Telekom-Vorstandschef Ron Sommer kritisierte in Wien das Vorgehen des Konkurrenten. Er habe "wenig Verständnis dafür, den Wettbewerb über Gerichte zu suchen". Die neuen T-Online-Gebühren seien nicht unter Kosten kalkuliert, verteidigte ein Telekom-Sprecher in Bonn die geplante Preisoffensive für T-Online: Statt bisher acht bis 13 Pfennige sollen vom 1. April an nur noch sechs Pfennige für die Online-Minute auf der Telefonrechnung auftauchen - inklusive Netzzugang.

Auch Telekom-Sprecher Ulrich Lissek erklärte, der hinter der Untersuchung stehende Verdacht, die Telekom benachteilige mit ihren günstigeren Online-Tarifen andere Anbieter, ziele ins Leere. So habe die Betreibergesellschaft von T-Online mit der Konzernmutter Telekom Sondertarife über ein bestimmtes Minutenkontigent vereinbart. Dies stehe auch jedem anderen Anbieter frei, betonte Lissek. Er wußte nicht, ob die Telekom bereits offiziell über eine Untersuchung der EU informiert wurde.

Die Telekom-Tochter T-Online stellt mit 2,8 Millionen Kunden den größten Online-Dienst in Deutschland. Nach einem Bericht des "Wall Street Journal" hat T-Online damit rund 56 Prozent des Internet- Zugangsmarktes in Deutschland erobert. AOL verfügt in Europa über 1,6 Millionen Kunden, davon rund 800.000 in Deutschland.