G-7-Konferenz Wechselkurszielzonen nicht mehr so dringlich

Das Thema Wechselkurszielzonen für Euro, Dollar und Yen hat nach Ansicht von Devisenfachleuten vor dem Treffen der sieben führenden Industriestaaten (G-7) am Samstag an Dringlichkeit verloren.

Tokio/Bonn - Grund sei die relative Stabilität der führenden Währungen seit Jahresbeginn, erklärten Analysten am Freitag in Tokio. So habe im Devisenterminhandel die Schwankungsrate für Euro-Dollar-Geschäfte seit Beginn der Europäischen Währungsunion (EWU) zwischen acht und neun Prozent gelegen. Für das Verhältnis von Dollar zum Yen habe diese Rate auf 16 bis 20 Prozent abgenommen, nachdem sie im vergangenen Oktober auf noch nie dagewesene 60 Prozent hochgeschnellt sei.

"Die Sorgen über eine akute Währungskrise haben nachgelassen", sagte Takehiro Sato, Devisenanalyst bei der Sumitomo Bank. Daher sei es nicht zweckmäßig, Währungen in ein Schwankungsband zu pressen. Die umstrittene Idee, Wechselkursschwankungen durch die Vorgabe von Zielzonen in den Griff zu bekommen, scheint am G-7-Treffen vom Tisch zu sein. Doch könne damit auch die Gelegenheit verspielt sein, ein wichtiges Thema anzugehen, hieß es weiter. Denn der Keim zu Währungsturbulenzen liege weiter in ungelösten Problemen in Lateinamerika, Rußland und China. Und schließlich standen Währungsturbulenzen im Sommer 1997 am Beginn der Asienkrise.

Selbst der japanische Finanzminister Kiichi Miyazawa hatte wenige Tage vor dem G-7-Treffen bekundet, daß die Runde wahrscheinlich keine spezielle Maßnahmen in Richtung Wechselkurszielzonen ausarbeiten wird. Schließlich herrschten darüber selbst in Deutschland unterschiedliche Ansichten. Zudem müßten die Ansichten der europäischen Zentralbanken besser in Einklang gebracht werden.

Allerdings dürften sich die Finanzpolitiker und Währungshüter der Siebenergruppe am Samstag schon zum Thema Wechselkurse äußern. Miyazawa sagte vor seinem Abflug nach Deutschland, alles in allem teilten die Wirtschaftsmächte die Ansicht, daß die jüngsten Bewegungen an den Devisenmärkten in Übereinstimmung mit den volkswirtschaftlichen Grunddaten seien. Die japanische Währung hat im Verhältnis zum Dollar in den vergangenen Tagen deutlich nachgegeben. Der Dollar kostete am Donnerstag abend im New Yorker Handel erstmals seit Anfang Dezember wieder mehr als 120 Yen. Händler sagten, die japanische Regierung sei für einen schwächeren Yen und habe mit dieser Haltung die Unterstützung der USA. Deshalb falle der Kurs.

Die Nachrichtenagentur Kyodo meldete, die G-7-Staaten USA, Kanada, Deutschland, Großbritannien, Italien, Frankreich und Japan wollten sich auf dem Petersberg für einen schwächeren Yen aussprechen. Japanische Regierungsvertreter sagten, angesichts der Leitzinssenkung in der vergangenen Woche sei ein Kursrückgang des Yen natürlich. Der parlamentarische Vizefinanzminister Sadakazu Tanigaki formulierte es so: "Besorgniserregend ist nicht der Stand eines Wechselkurses, sondern rasche Schwankungen."

Während die USA nun gegen Eingriffe in den Devisenmarkt Opponieren und die Europäer geteilter Meinung sind, ist Japan gleichwohl im Prinzip für eine Anbindung von Dollar, Euro und Yen. Im Dezember hatte sich Miyazawa für eine "geregelte Flexibilität" der führenden Währungen ausgesprochen.