Merrill Lynch Chancen trotz Krise

Die Chancen für eine "deutliche taktische Rallye" steigen, so Merrill Lynch. Zwar beurteilt die Mehrzahl der Fondsmanager die Lage der Weltwirtschaft skeptisch, doch auch aus dem Anleihenmarkt sei die Luft raus.

London/Hamburg - Obwohl die Mehrzahl der Fondsmanager daran zweifelt, dass sich die globale Konjunktur rasch erholt, stehen die Chancen für eine taktische Rallye an den Aktienmärkten nicht schlecht. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Investmentbank Merrill Lynch, die auf einer Befragung von 303 Fondsmanagern beruht.

Obwohl die Anlageprofis keine Wachstumssprünge der Konjunktur oder der Unternehmensgewinne erwarten, sind sie auch negativ gegenüber Anleihen eingestellt. Üblicherweise flüchten Anleger in "sichere Häfen" wie Anleihen, wenn sich düstere Wolken am Konjunkturhimmel zusammenbrauen.

Doch rund zwei Drittel der befragten Fondsmanager meinen, dass die Anleihenkurse derzeit überbewertet sind: Die Rallye auf dem Anleihemarkt sei vorüber. Damit verliert die Anleihe als Alternative zur Aktie an Attraktivität - trotz der schwierigen Situation der Weltwirtschaft.

Voraussetzungen für Aufwärtsbewegung gegeben

Steigende Bargeldbestände sowie die wachsende Überzeugung, dass der Aktienmarkt überverkauft sei, setzen die Voraussetzungen für eine "deutliche taktische Rallye" am Aktienmarkt, sagte David Bowers, Chefstratege bei Merrill Lynch.

Diese technische Korrektur muss jedoch nicht dauerhaft sein. "Die Einschätzung, dass Aktien derzeit unterbewertet sind, heißt noch nicht, dass sie zwingend ein Kauf sind", schränkt Bowers ein. Bereits seit neun Monaten herrsche die Meinung vor, dass Aktien günstig bewertet seien. Dennoch habe sich der Abwärtstrend bislang fortgesetzt.

Leistungsbilanz-Defizit der USA macht Sorgen

Die Mehrzahl der professionellen Vermögensverwalter erwartet nur ein geringes Wachstum in den wichtigsten Industriestaaten. Anlass zur Sorge bereitet laut Bowers auch das steigende Leistungsbilanz-Defizit der USA, das im Vorjahr auf mehr als 500 Milliarden Dollar gestiegen ist.

Die USA geben mehr Geld aus, als sie selbst erwirtschaften, und sind abhängig von ausländischem Kapital. Sollten ausländische Investoren - nicht zuletzt auf Grund der Irak-Krise und der politischen Spannungen mit Europa - in Zukunft ihr Geld vermehrt anderswo investieren, dürften sich die Schwierigkeiten der US-Wirtschaft vergrößern.