US-Konjunktur "Zwillingsdefizit" reißt den Dollar in den Keller

Die Lust am Konsumieren reißt nicht ab. Das Bilanzdefizit ist auf einen Rekordwert gestiegen.

Washington – Ein Feuerwerk wichtiger US-Konjunkturdaten hat die Aktienmärkte zum Wochenschluss in Atem gehalten. Vor allem die Zahlen zur Leistungsbilanz standen im Fokus. Wie erwartet wurde ein Rekorddefizit verbucht, das mit einem Minus von 136,9 Milliarden Dollar im vierten Quartal des vergangenen Jahres die Prognosen jedoch nicht übertraf.

Die Leistungsbilanz ist neben der Kapitalbilanz der wichtigste Bestandteil der Zahlungsbilanz eines Landes. In der Leistungsbilanz sind die Handelsbilanz, die Dienstleistungsbilanz, die Bilanz der Erwerbs- und Vermögenseinkommen sowie die Bilanz der laufenden Übertragungen zusammengefasst.

Zahlreiche Analysten sehen in dem hohen Leistungsbilanzdefizit und dem gleichzeitigen Haushaltsdefizit eine Gefahr für die US-Wirtschaft. Das so genannte "Zwillingsdefizit" wird von Devisenexperten auch als ein Grund für die derzeitige Dollarschwäche angesehen.

Nach Angaben des US-Handelsministeriums belief sich das Leistungsbilanzdefizit im dritten Quartal des vergangenen Jahres auf revidierte 126,3 Milliarden Dollar. Für das Gesamtjahr 2002 wurde damit ein Rekordwert von 503,40 Milliarden Dollar (2001: 393,40 Milliarden Dollar) verbucht.

Die Eurozone hat im vierten Quartal hingegen einen Leistungsbilanzüberschuss von 22,1 Milliarden Euro (drittes Quartal: 25,2 Milliarden Euro) erwirtschaftet.

Verbraucher verlieren das Vertrauen

Überraschend schwach fielen in den USA jedoch die jüngsten Daten zum Konsumentenklima aus. Der von der Universität Michigan ermittelte Index über das US-Verbrauchervertrauen ist im März erneut gefallen. Er sei vorläufigen Zahlen zufolge von 79,9 Punkten auf 75 Zähler gefallen, meldete AFX am Freitag. Volkswirte hatten nur mit einem Rückgang auf 77,8 Punkte gerechnet. Die endgültigen Zahlen werden am 28. März bekannt gegeben.

Industrieproduktion überraschend gestiegen

Positive Zahlen teilte die US-Notenbank zur Industrieproduktion mit. Sie ist im Februar saisonbereinigt um 0,1 Prozent zum Vormonat gestiegen, hieß es. Volkswirte hatten damit gerechnet, dass sich die Produktion im Februar nicht verändert. Im Vormonat war die Industrieproduktion noch überraschend um revidiert 0,8 Prozent (Erstschätzung 0,7 Prozent) geklettert.

Die Kapazitätsauslastung in der US-Industrie ist im Februar hingegen auf 75,6 Prozent. Volkswirte hatten mit einer unveränderten Auslastung von 75,7 Prozent gerechnet. Im Jahresvergleich stieg die Industriekapazität im Februar den Angaben zufolge um 1,1 Prozent.

Ölpreis treibt die Erzeugerpreise deutlich an

Einen Dämpfer für die Börse hielt auch das Arbeitsministerium parat: Der Erzeugerpreisindex ist überraschend kräftig von Januar auf Februar um ein Prozent gestiegen. Die Kernrate ohne Nahrungsmittel und Energiepreise ist im Monatsvergleich unterdessen um 0,5 Prozent gesunken. Der Rückgang war stärker als von den Experten im Durchschnitt zuvor erwartet.

Die von AFX News befragten Volkswirte hatten im Durchschnitt mit einem Anstieg der Erzeugerpreise um 0,7 Prozent gerechnet. Bei der Kernrate waren die Experten von minus 0,1 Prozent ausgegangen.

Die Energiepreise stiegen im Februar zum Vormonat um 7,4 Prozent. Und damit so stark wie seit Oktober 1990 nicht mehr. Die Lebensmittelpreise stiegen im Berichtszeitraum um 0,6 Prozent und trugen ebenfalls zu dem starken Anstieg bei.

Im Jahresvergleich legten die Erzeugerpreise im Februar um 3,5 Prozent und die Kernrate um 0,1 Prozent zu. Dies ist der höchste Anstieg der Gesamtrate seit Mai 2001.

Lagerbestände steigen im Januar wie erwartet

Die Geschäftslagerbestände in den USA sind nach Angaben des Handelsministeriums im Januar wie zuvor von Volkswirten erwartet um 0,2 Prozent zum Vormonat gestiegen. Der Wert vom Dezember wurde von einem Anstieg von 0,6 Prozent auf einen Zuwachs von 0,7 Prozent nach oben revidiert.

Die Geschäftsumsätze sind im Januar um 1,2 Prozent gestiegen, nachdem sie im Vormonat um 0,2 Prozent geklettert waren. Dies war der deutlichste Anstieg seit Juli. Das Verhältnis von Lagerbeständen und Umsätzen lag im Januar bei 1,36 Prozent. Es braucht also 1,36 Monate um mit den Januar-Umsätzen die Lagerbestände aufzubrauchen. Im Dezember hatte dieser Wert noch bei 1,38 Prozent gelegen.

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