Cargolifter Endet alles mit einem Abriss?

Der riesigen Werfthalle des Luftschiffplaners droht das Ende. Bislang war das millionenschwere Bauwerk der ganze Stolz der mittlerweile insolventen Aktiengesellschaft.

Cottbus - Der Halle des insolventen Luftschiffbauers Cargolifter im südbrandenburgischen Brand (Dahme-Spreewald) droht der Abriss. Wegen der Unterhaltskosten stelle sie für die meisten Interessenten keinen Vermögenswert, sondern eine Belastung dar, sagte Insolvenzverwalter Rolf-Dieter Mönning.

"Die Werfthalle ist unser Sorgenkind, weil sie eigentlich nicht finanzierbar ist", erklärte Mönning. Die Kosten lägen bei monatlich etwa 300.000 Euro, wobei die Energiekosten den größten Teil ausmachten. Es sei jedoch weltweit niemand daran interessiert, Luftschiffe in den von CargoLifter geplanten Dimensionen zu bauen.

Eine Computeranimation des CL 160

Eine Computeranimation des CL 160

Foto: DPA
Der Vorstandsvorsitzende der Cargolifter AG, Carl-Heinrich Freiherr von Gablenz

Der Vorstandsvorsitzende der Cargolifter AG, Carl-Heinrich Freiherr von Gablenz

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Der Cargolifter CL 160, wie er geplant war

Der Cargolifter CL 160, wie er geplant war

Foto: DER SPIEGEL
Die Werfthalle der Cargolifter AG

Die Werfthalle der Cargolifter AG

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Das Experimentalluftschiff "Joey" der CargoLifter AG

Das Experimentalluftschiff "Joey" der CargoLifter AG

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Die "Lausitzer Rundschau" berichtete am Freitag, der an einer Übernahme interessierte Konzern Universal Express habe sich erkundigt, was ein Abriss kosten würde. Das 360 Meter lange, 210 Meter breite und 107 Meter hohe Bauwerk war erst im November 2000 in Anwesenheit von Ministerpräsident Manfred Stolpe eröffnet worden. Das Land Brandenburg hatte den rund 75 Millionen Euro teuren Bau mit fast 40 Millionen Euro gefördert. Die Halle zog als touristische Attraktion Scharen von Besuchern an.

Grundfläche von 63.000 Quadratmetern

Nach Angaben des insolventen Unternehmens ist die Konstruktion die größte freitragende Halle der Welt. Ohne stützende Wände und andere Tragkonstruktionen wird bei einer Grundfläche von gut 63.000 Quadratmetern ein Raum von 5,5 Millionen Kubikmetern umspannt. Zur Veranschaulichung: Dies entspricht der Fläche von neun Fußballfeldern, groß genug, um 14 Großflugzeuge vom Typ Boeing 747 zu parken.

Die Halle besteht aus drei Teilen: zwei Großtoranlagen und einem zylindrischen Teil. Das Tragwerk des zylindrischen Teils besteht aus fünf Stahlbögen, die einzelnen Bögen bestehen aus jeweils 10 Elementen, jedes mit einem Gewicht von 65 Tonnen (bei den inneren drei Bögen) bzw. 135 Tonnen (bei den beiden äußeren Bögen).

An den Stirnseiten befindet sich je eine Großtoranlage mit 8 ineinander verschiebbaren Torelementen. Die schalenförmige Torkonstruktion ermöglicht auf beiden Seiten eine 200 Meter breite und 100 Meter hohe halbkreisförmige Öffnung.

"Flugzeuge im Bauch" statt Luftschiffe in Bau

Diese Tore öffneten sich allerdings nie für eines der geplanten Riesen-Luftschiffe, die den Aktionären versprochen worden waren. Stattdessen wurde die Halle vor einiger Zeit noch einmal als Location für Dreharbeiten genutzt. Gedreht wurde der Videoclip "Flugzeuge im Bauch" mit dem ehemaligen Soap-Darsteller Olli P.

Unterdessen gewinnen die strafrechtlichen Vorwürfe gegen das alte Cargolifter-Management nach Einschätzung Mönnings immer mehr an Bedeutung. Gegenüber der "Lausitzer Rundschau" sagte er, aus den Unterlagen gehe hervor, dass der Gesamtkonzern bereits im Dezember 2001 und nicht erst zum Zeitpunkt der Insolvenz-Anmeldung im Juni 2002 ohne Mittel dastand. Bei der Cargolifter AG selbst - ohne ihre Verpflichtungen gegenüber Konzerngesellschaften - sei dies spätestens im März 2002 der Fall gewesen.

Potsdamer Staatsanwaltschaft ermittelt weiter

Die Ermittlungen der Potsdamer Staatsanwaltschaft zum Verdacht der Insolvenzverschleppung halten an. Die Ergebnisse sind laut Mönning für mögliche Schadensersatzansprüche gegen das Management relevant.

Die Cargolifter AG und mehrere Tochtergesellschaften hatten im vergangenen Juni Insolvenz angemeldet. Ursprünglich wollte das Unternehmen riesige Luftschiffe zum Transport schwerer Lasten bauen. Rund 70.000 Aktionäre stellten ungefähr 300 Millionen Euro bereit. Die Forderungen der Gläubiger sollen sich auf mehr als 100 Millionen Euro belaufen.

Rückblick 2002: Das Luftschloss des Jahres Cargolifter: Die Chronik eines Absturzes Deutsche Pleiten: Chronik der größten Insolvenzen

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