Japan Das chronische Leiden

Japans Bankenriesen wanken unter einer immensen Schuldenlast. Mit milliardenschweren Finanzspritzen will die Regierung den Nikkei aus seinem 20-Jahrestief befreien. Analysten zweifeln am Erfolg der Rettungsaktion.

Tokio - Die kommenden zwei Wochen werden für die Not leidenden Banken in Japan zur Zerreißprobe. Am 31. März endet dort das Geschäftsjahr, dann schließen die Institute ihre Bücher. Für Spannung sorgt in diesem Jahr der massive Kursabschlag japanischer Aktien. Denn die ohnehin schon angeschlagene Bankenbranche könnte durch die enormen Buchverluste auf ihre Aktienbestände noch tiefer in die Krise rutschen, befürchten Beobachter.

Die Ängste sind begründet. Erst am Dienstag schloss der japanische Leitindex Nikkei auf 7862,43 Punkten, dem tiefsten Stand seit dem 25. Januar 1983. Am Mittwoch hat sich das Börsenbarometer nur minimal nach oben bewegt und ging erneut deutlich unter der psychologisch wichtigen Marke von 8000 Zählern aus dem Handel.

Nach Angaben von Medien will die Zentralbank (Bank of Japan, BoJ) nun mit zusätzlicher Liquidität für Stabilität im Finanzsystem sorgen. Zu diesem Zweck habe die BoJ den Finanzinstituten am Dienstag und Mittwoch jeweils rund eine Billion Yen (rund acht Milliarden Euro) bereitgestellt, hieß es.

"Japans Krise ist mittlerweile chronisch"

Zudem ist die Notenbank weiter dabei, den Banken auch durch den Aufkauf von Aktien zu helfen. Bis Ende des Monats rechnen Experten damit, dass der Gesamtwert der von der BoJ aufgekauften Aktien die Marke von einer Billion Yen erreichen wird.

Ob jedoch die BoJ dem Aktienmarkt auf die Sprünge helfen kann, bezweifeln Börsianer. Eine Trendwende ist nach den Worten von Yasushi Okada unwahrscheinlich: "Japans Krise ist mittlerweile chronisch", sagt der Chefökonom der Credit Suisse First Boston in Tokio. Die wankenden Bankenriesen in Japan könnten mit diesen Maßnahmen kaum wieder aufgerichtet werden.

Auf Grund ihrer hohen Aktienbestände leiden die Banken so überproportional deutlich unter der jahrelangen wirtschaftlichen Talfahrt des Landes. Nach Regierungsangaben lasten auf der Branche mittlerweile faule Kredite in Höhe von 342 Milliarden Yen.

Die Nullzinspolitik brachte keine Besserung

Und mit jedem Punkt, den der Nikkei weiter nach unten rutscht, spitzt sich die Situation zu, da die Aktienbestände auch zur Absicherung dienen. Analysten erwarten, dass Japans Banken im Gesamtjahr spürbare Verluste verbuchen müssen.

Seit 1999 versucht die BoJ, mit einer Nullzinspolitik gegenzusteuern, um die Wirtschaft wieder in Gang zu kriegen. Der Erfolg blieb bislang aus.

Im Gegenteil: Finanzhäuser können sich weiterhin zu Dumping-Konditionen frisches Geld beschaffen und auf diese Weise die notwendige Abschreibung fauler Kredite weiter vor sich herschieben, schreiben Experten der Investmentbank Morgan Stanley. Dies sorge unter anderem dafür, dass Überkapazitäten bestehen bleiben, die Preise weiter sinken und sich die Deflationsspirale weiter dreht.

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