G7-Treffen Streit zwischen den Blöcken

Weil die USA der Europäischen Union kein stärkeres Gewicht im wichtigsten Club der Industrienationen einräumen wollen, will Brüssel die Konferenz am Samstag boykottieren.

Brüssel/Bonn - Die EU-Kommission lehne es ab, am Treffen der sieben führenden Industrienationen teilzunehmen, bestätigte heute Patrick Child, Sprecher des Finanzkommissars Yves-Thibault de Silguy. Gleichzeitig erklärte er, das Gremium fühle sich nicht ausreichend repräsentiert. Hintergrund: Die USA hatten sich gegen ein stärkeres europäisches Gewicht in der G-7 ausgesprochen.

Die Bundesregierung, die das Treffen leiten wird, plant, neben dem Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB), Wim Duisenberg, einen Beamten der EU-Kommission als Mitglied der deutschen Delegation zu den Gesprächen einzuladen. Child sagte dazu: "Man kann derzeit nicht erkennen, wen die Kommission schicken soll, wenn derjenige nur draußen auf den Fluren herumlungern wird." Dagegen erklärte Bundesfinanzminister und EU-Ratspräsident Oskar Lafontaine (SPD) in Brüssel, er wolle im Rahmen der G-7 "die europäischen Interessen weiter stärken". Die USA müßten einsehen, daß die EU selbst bestimme, "wer da sitzt".

Vor dem Wirtschaftsausschuß des Europäischen Parlaments wertete Lafontaine unterdessen die aktuelle Euro-Schwäche gegenüber dem Dollar als Vorteil für die europäischen Exporte. "Die Entlastung über den Wechselkurs ist durchaus zu begrüßen", sagte er. Zur aktuellen Zinssituation erklärte Lafontaine, er könne die Erwartungen einiger Geschäftsbanken auf sinkende Zinsen verstehen. Das sei "durchaus in sich schlüssig". Ausdrücklich wies er aber auf die Unabhängigkeit der EZB hin, die heute tagte. Lafontaine nahm erstmals an dem Treffen der Euro-Währungshüter teil. Beobachter erwarteten, daß er sich in dem Gremium erneut für eine Leitzinssenkung stark machen werde. Daß die Zentralbanker darauf eingehen werden, damit rechnete man nicht.