Mittwoch, 29. Januar 2020

Die Goldman-Sachs-Kolumne Inflation ist derzeit kein Thema

Alles deutet darauf hin, dass die Kerninflationsrate in Euroland in den nächsten Monaten auf weniger als 2 Prozent sinken wird. Somit ist der Weg für einen deutlichen Zinsschritt durch die EZB frei.

In den ersten Monaten dieses Jahres wirken mehrere gegensätzliche Einflüsse auf die Inflation: Basiseffekte, der Ölpreis und ein negativer (und größer werdende) gesamtwirtschaftlicher Auslastungsgrad (output gap). Sehr kurzfristig betrachtet geht zwar vom Ölpreis die größte Gefahr aus, letztendlich wird sich in 2003 aber der Trend zu einer niedrigeren Inflation durchsetzen.

 David Walton ist Chief European Economist der Investmentbank Goldman Sachs in London
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David Walton ist Chief European Economist der Investmentbank Goldman Sachs in London
Alle aktuellen Indikatoren deuten darauf hin, dass die Kerninflationsrate in Euroland, die im letzten Jahr meist bei ca. 2,5 Prozent lag, in den nächsten Monaten auf weniger als 2 Prozent sinken wird. Dafür gibt es hauptsächlich zwei Gründe: die Aufwertung des Euro und den zeitlich verzögerten Einfluss von unter dem Trend liegenden Wachstumsraten.

Auch ein kräftiger Ölpreisanstieg im Zusammenhang mit einem möglichen Irak-Krieg würde an diesem Gesamtbild nicht viel ändern, da sich eine solche Verteuerung des Erdöls nur für kurze Zeit auswirken würde. Somit ist der Weg für einen deutlichen Zinsschritt durch die EZB frei.

Für den 6. März erwarten wir eine Zinssenkung um 50 Basispunkte (bp) und bis zum Spätsommer eine weitere Rücknahme der Leitzinsen auf unter 2,0 Prozent. Wenn man über die nächsten beiden Quartale hinausblickt, lassen unsere Modelle für Euroland einen Inflationsrückgang erwarten, wenngleich dieser nicht sehr deutlich ausfallen wird.

Moderater Rückgang der Inflation erwartet

Wir gehen davon aus, dass die Inflationsrate in 2004 auf 1,7 Prozent sinken wird, verglichen mit 1,9 Prozent in 2003. Gemessen an der drastischen Konjunkturverlangsamung und der deutlichen Aufwertung des Euro ist dies nur ein moderater Rückgang.

In unserer Quartalsbetrachtung wird die Teuerungsrate im 1. Vierteljahr 2004 mit etwas unter 1,5 Prozent ihren Tiefstand erreichen, bis Ende nächsten Jahres aber wieder auf ca. 2 Prozent anziehen.

Dies wird die EZB aber nicht davon abhalten, weiter eine lockere Geldpolitik beizubehalten. Zwar zeigte sie im letzten Jahr trotz deutlicher Anzeichen für eine schwache Konjunktur wenig Bereitschaft, die Zinsen zu senken - hauptsächlich, weil die Inflationsrate hartnäckig über 2 Prozent lag. Gegen Ende 2002 senkte die EZB die Leitzinsen dann aber doch deutlich und hält seitdem an ihrer Neigung zu einer eher lockeren Geldpolitik fest.

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