Metall-Konflikt Streik abgewendet

Nach einer langen Nacht einigten sich Arbeitgeber und Gewerkschaft im Südwesten auf einen Tarifabschluß: 3,2 Prozent mehr Lohn und eine einmalige Zahlung von einem Prozent des Jahresgehalts.

Böblingen - In einem außerordentlichen Schlichtungsverfahren einigten sich Arbeitgeber und Gewerkschaft in der Nacht zum Donnerstag nach 30stündigen Verhandlungen auf einen Tarifabschluß für die rund 840.000 Beschäftigten im Südwesten. Danach sollen die Löhne zum 1. März um 3,2 Prozent erhöht werden. Zudem soll es einen Einmalbetrag von einem Prozent des Jahresentgeltes sowie einen Pauschalbetrag für Januar und Februar dieses Jahres von 350 Mark geben. Die Laufzeit des Vertrages beträgt 14 Monate. Das teilte der Schlichter Hans-Jochen Vogel in den frühen Morgenstunden in Böblingen mit. Allerdings äußerten die Arbeitgeber großen Unmut an dem Ergebnis.

Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall gab nach den Worten seines Präsidenten Werner Stumpfe keine Empfehlung ab, das Ergebnis auf Regionen zu übertragen, die wirtschaftlich schwächer dastehen als der Südwesten. Vor allem für Ostdeutschland sei es "unbedingt notwendig Marscherleichterungen im Tarifvertrag zu gewähren." Damit fehlt dem erzielten Abschluß zunächst die Pilotwirkung für die gesamte Metallbranche mit ihren bundesweit 3,5 Millionen Beschäftigten. Vogel erklärte hingegen: "Ich glaube, daß die Vereinbarung (...) über Baden-Württemberg hinaus Signalwirkung haben wird."

Südwest-IG-Metall-Chef Berthold Huber sagte: "Wir haben die Vier überschritten, aber selbstverständlich schmerzt uns die lange Laufzeit." Der Abschluß sei der Ertragslage der Metallindustrie im Südwesten gerecht geworden. Nach zwei mageren Jahren sei eine deutliche Einkommenserhöhung erzielt worden. Die Gewerkschaft setzte sich mit ihrer Forderung durch, daß der Einmalbetrag nicht vom Gewinn des Unternehmens abhängig gemacht wird. Für die IG Metall hat der Abschluß ein Volumen von 4,2 Prozent für 1999, für die Arbeitgeber ein Volumen von 3,6 Prozent auf 14 Monate.

Stumpfe sagte, auf die Unternehmen komme nun eine Kostenbelastung zu, die zwangsläufig noch in diesem Jahr zu Arbeitsplatzverlusten führen werde. Der Abschluß sei für die Beschäftigten, nicht für die Arbeitssuchenden sei. "Der Abschluß tut weh" und belaste das geplante Bündnis für Arbeit. Dagegen sagte Baden-Württembergs Arbeitgeberchef Klaus Fritsche, die Laufzeit verschaffe den Unternehmen eine kleine "Atempause". Mit dem Einmalbetrag führe ein "wesentlicher Teil" des Abschlusses nicht zu einer permanenten Kostenbelastung. Mit dieser Lohnkomponente sei den Arbeitgebern der Einstieg in differenzierte Lohnabschlüsse gelungen. Zur nicht verwirklichten Ertragsabhängigkeit der Einmalzahlung sagte Fritsche, das Thema sei nicht vom Tisch.

Die Auszahlung der Einmalzahlung kann in Absprache zwischen Betriebsrat und Unternehmen in Raten erfolgen. Festgelegt ist lediglich, daß sie zwischen dem 1. April 1999 und dem 31. Januar 2000 an die Arbeitnehmer gezahlt werden muß. Der von den Arbeitnehmern im Südwesten gewünschte Zuschlag für die aus Sicht der Gewerkschaft benachteiligte Einkommensgruppe der Zeitlöhner wurde nicht realisiert. Die Tarifparteien vereinbarten aber, im Entgeltrahmentarifvertrag, dessen Hauptanliegen die Besserstellung der Zeitlöhner ist, zu einer Einigung zu kommen. Die Zuschlagssysteme von Zeitlöhnern sind weit ungünstiger als die der Akkordlöhner.

Die Auszubildenden sollen an der jetzt vereinbarten Lohnerhöhung teilnehmen und künftig an die allgemeine Lohnentwicklung angekoppelt werden. Das letzte Wort der Südwest-IG-Metall zur Schlichtung hat die Große Tarifkommission, die am Donnerstag vormittag über das Ergebnis informiert wird. Die Zustimmung gilt als sicher.

Offen ist, wie sich die Arbeitgeber in Ostdeutschland verhalten werden. In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen haben die Metallarbeitgeber ihren Mitgliedsfirmen einen kurzfristigen Verbandsaustritt ermöglicht. Dadurch können die Betriebe die Übernahme eines im Westen ausgehandelten Vertrages vermeiden. Zuvor war vereinbart worden, daß ein Tarifabschluß mit einer Verzögerung von einem Monat im Osten übernommen wird.