Tarifpoker Schlichtung tritt auf der Stelle

Ein Durchbruch in der Metall-Schlichtung ist am Mittwoch abend auch nach mehr als zwanzigstündigen Verhandlungen nicht in Sicht gewesen.

Böblingen - Der Schlichter Hans-Jochen Vogel suchte mit den Unterhändlern von Arbeitgebern und Gewerkschaft fieberhaft nach einem Kompromiß, um einen Streik abzuwenden. Um Mitternacht sollte das Ultimatum der Gewerkschaft für eine Einigung ablaufen. Es wurde erwartet, daß Vogel den Tarifparteien kurz vor Ablauf der Frist seinen Schlichtungsspruch vorlegt. Ohne Kompromiß wollte die IG Metall ihre 500.000 Mitglieder im Südwesten am Montag zur Urabstimmung aufrufen. Erste Stimmzettel wurden bereits gedruckt.

Der Chef der Südwest-IG Metall, Berthold Huber, sagte am Abend: "Ich bin sehr, sehr skeptisch." Die Stimmung wurde auch von den Arbeitgebern als unterkühlt bezeichnet. Es wurde nicht ausgeschlossen, daß die Verhandlungsführer die "Uhr anhalten", um ohne offizielle Fristverlängerung weiterverhandeln zu können.

Aus Gewerkschaftskreisen verlautete, die Arbeitgeber wollten die bisher angebotene Grundlohnerhöhung von 2,3 Prozent möglichst wenig anheben, seien aber bereit, das Gesamtvolumen über Zugeständnisse bei einem Einmalbetrag und einem Pauschalbetrag für Januar und Februar zu erhöhen. Einer der Hauptstreitpunkte war die von den Arbeitgebern geforderte Ertragsabhängigkeit des Einmalbetrages von maximal 0,5 Prozent des Jahresentgeltes. Die IG Metall läßt sich zwar grundsätzlich auf einen Einmalbetrag ein. Ein Senken der Zahlung bei schlechter Ertragslage mit Zustimmung des Betriebsrates, wie von den Arbeitgebern angestrebt, lehnt sie aber ab. Zu diesem Punkt hieß es in Gewerkschaftskreisen: "Da reiten die rauf und runter."

Die Einmalzahlung von 0,5 Prozent würden einem Beschäftigten mit einem Bruttogehalt von 4600 Mark - dies ist das durchschnittliche Monatsgehalt eines deutschen Metallarbeiters - auf das Jahr gerechnet maximal 276 Mark mehr in die Lohntüte bringen. Dabei sind Sonderzahlungen und Zuschläge nicht berücksichtigt.

Die IG Metall will vor allem den Grundlohn als Basis für künftige Tarifverhandlungen erhöht sehen. Sie fordert 6,5 Prozent mehr Lohn für die 3,5 Millionen Metaller. Themen in den Gesprächen waren neben der Lohnerhöhung die Laufzeit eines möglichen Pilotabschlusses und Pauschalbetrag für die Monate Januar und Februar. Huber will die Große Tarifkommission der baden-württembergischen IG Metall an diesem Donnerstag über die Schlichtung informieren. Dieses Gremium aus Betriebsräten und Vertrauensleuten hat das letzte Wort bei der Annahme eines möglichen Kompromisses.

Gesamtmetallpräsident Werner Stumpfe und IG Metall-Chef Klaus Zwickel steuerten im Hintergrund die Taktik ihrer Verhandlungsdelegationen. Wenn die Tarifparteien in der Schlichtung Vogels Einigungsvorschlag akzeptieren, müssen noch die IG Metall- Führung und der Gesamtmetall-Vorstand zustimmen.