Mittwoch, 19. Februar 2020

Bayer Übernahme nach Kursmassaker?

Albtraum in Leverkusen. Vorstandschef Wenning warnt vor desaströsen Zahlen. Wegen Lipobay drohen Schadenersatzklagen in Milliardenhöhe. Die Märkte schließen eine feindliche Übernahme nicht mehr aus.

Leverkusen – Bayer-Vorstandschef Werner Wenning hat in diesen Tagen schwer zu kämpfen: die Folgen der Lipobay-Krise sind unkalkulierbar geworden. "Es ist unmöglich, den Ausgang der Verfahren vor allem in den USA vorherzusagen", sagte er am Mittwoch auf einer Investorenkonferenz der Deutschen Bank.

Kämpft an allen Fronten Bayer-Vorstandschef Werner Wenning.
Das Geschäftsjahr 2002, das Wenning erstmals als Vorstandschef zu verantworten hat, wird für ihn fast zum Albtraum. Operativ sei das Jahr absolut enttäuschend gelaufen, räumte der Manager ein. Schon 2001 war das Ergebnis im Zuge der Lipobay-Krise um gut 50 Prozent 1,6 Milliarden Euro eingebrochen. Im dritten Quartal 2002 schrieb Bayer erstmals in der Konzerngeschichte rote Zahlen. Das Unternehmen will am 13. März die Zahlen für das Jahr 2002 bekannt geben.

An den Kapitalmärkten herrscht wegen der Ungewissheit über Schadensersatzforderungen große Skepsis und Ratlosigkeit über den Bayer-Konzern. Der drastische Kursverfall macht den Koloss mit den vier Sparten Gesundheit, Pflanzenschutz, Kunststoffe und Chemie inzwischen sogar zu einem möglichen Übernahmeziel. Gleichzeitig gestaltet sich die Suche nach einem Partner in der Pharma-Sparte als schwierig.

Zwei Drittel Kursverlust in zwölf Monaten

Den mehr als 450.000 Bayer-Aktionären ist das Lachen vergangen. Am Mittwoch stand das Papier erneut unter Druck und rutschte sogar unter elf Euro. Auf Grund einer technischen Reaktion kletterte das Papier am Donnerstagvormittag wieder über die Zwölf-Euromarke. Mit einer Börsenkapitalisierung von rund acht Milliarden Euro ist der Konzern unter den Dax-Werten ins Mittelfeld zurückgefallen und rangiert nur noch einen Platz vor dem Pharmaunternehmen Schering.

Innerhalb von zwölf Monaten haben die Aktionäre zwei Drittel ihres Vermögens verloren. Allein seit Dienstag vergangener Woche hat die Aktie rund 35 Prozent ihres Wertes eingebüßt. Der Ludwigshafener Konkurrent BASF Börsen-Chart zeigen ist an der Börse inzwischen doppelt so viel wert wie Bayer.

Hauptgrund für drastischen Kurseinbruch ist nach Einschätzung von Andreas Theisen von der WestLB Panmure nicht der Lipobay-Skandal als solcher. "Das Problem ist vielmehr die Unmöglichkeit, den Schaden zu quantifizieren". Erste Anhaltungspunkte könnte der Ausgang des ersten Lipobay-Prozesses in den USA voraussichtlich in zwei Wochen geben. Insgesamt sind 7800 Klagen eingereicht worden. Mit 450 Klägern einigte sich Bayer auf einen Vergleich und zahlte hierfür 125 Millionen Dollar.

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