Reuters Im Schnellgang aus der Verlustzone

Ein Rekordverlust in Millionenhöhe zwingt zum Konzernumbau. 3000 Jobs werden gestrichen.

London - Der Nachrichten- und Informationskonzern Reuters  will sich nach einem Rekordverlust in dreistelliger Millionenhöhe stärker auf seine Kerngeschäfte konzentrieren und bis Ende 2005 rund 3000 weitere Arbeitsplätze abbauen.

Konzernchef Tom Glocer legte am Dienstag in London das Restrukturierungsprogramm "Fast Forward" vor, in dessen Rahmen Reuters in den kommenden drei Jahren rund 440 Millionen Pfund (657 Millionen Euro) einsparen will. Infolge der weltweit schwachen Wertpapiermärkte sowie hoher Firmenwertabschreibungen und Restrukturierungskosten verbuchte der britische Traditionskonzern 2002 mit 394 Millionen Pfund den höchsten Nettoverlust seiner 151-jährigen Firmengeschichte. Die Mitarbeiterzahl solle bis Ende 2005 weltweit auf 13.000 von derzeit 16.000 sinken.

Ohne Firmenwertabschreibungen, Wertberichtigungen und Verlusten aus Beteiligungsverkäufen brach der Vorsteuergewinn um mehr als zwei Drittel auf 89 Millionen Pfund ein. In diesem Wert, der am oberen Rand der Analystenerwartungen lag, sind Restrukturierungskosten von rund 208 Millionen Pfund enthalten. Der Aktienkurs des Unternehmens verlor zum Handelsauftakt an der Londoner Börse fast acht Prozent auf 141,5 Pence.

Reuters reagiert mit dem neuen Restrukturierungsprogramm auf die veränderten Bedingungen an den Finanzmärkten und die Einschnitte bei wichtigen Kunden des Anbieters von Finanznachrichten, Daten und Handelstechnologien für Banken und Investmenthäuser. Das Unternehmen kündigte zugleich an, den US-Informationsdienstleister Multex für rund 195 Millionen Dollar kaufen zu wollen. Trotz der schwierigen Geschäftslage bleibe die Dividende unverändert bei zehn Pence je Aktie, hieß es.

Schwache Finanzmärkte und Restrukturierungen belasten das Ergebnis

Reuters leidet bereits seit Monaten unter den schwachen Bedingungen an den Weltbörsen. Der Konzernumsatz verringerte sich 2002 um acht Prozent auf 3,58 Milliarden Pfund (rund 5,34 Milliarden Euro), wobei hier die elektronische Handelsplattform Instinet mit einem Erlösrückgang von mehr als 30 Prozent besonders deutlich zu Buche schlug.

Das Reuters-Kerngeschäft ohne Instinet steigerte unterdessen den Vorsteuergewinn um 51 Prozent auf 194 Millionen Pfund. Die operative Gewinnmarge habe hier mit 13,1 Prozent die eigene Zielmarke von zwölf Prozent überstiegen, teilte Reuters mit.

Für das Geschäftsjahr 2003 zeigt sich Reuters wenig optimistisch. Es werde erwartet, dass die regelmäßigen Einnahmen - die 90 Prozent der Reuters-Erlöse ausmachen - im ersten Quartal um mindestens neun Prozent zurückgingen, hieß es. Für das Gesamtjahr werde jedoch erneut von einer operativen Gewinnmarge vor Restrukturierung von zwölf Prozent ausgegangen.

Millionen-Kosteneinsparungen durch "Fast Forward"

Im Rahmen des neuen Restrukturierungsprogramms "Fast Forward" will sich Reuters stärker auf seine Kernkompetenzen als Informationslieferant konzentrieren. Bis Ende 2005 sollen dadurch Einsparungen von 440 Millionen Pfund realisiert werden, denen allerdings Restrukturierungskosten von 340 Millionen Pfund gegenüber stünden.

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