Tarifpoker Einigung oder Streik

Das wird ein langer Tag für die Schlichter im Metallkonflikt, aber auch der letzte, um eine Lösung zu erzielen. Am Dienstag waren die Gespräche nach zwölf Stunden unterbrochen worden.

Böblingen - Unter hohem Erfolgsdruck sind die Unterhändler im Metall-Tarifkonflikt am Mittwoch in Böblingen in die entscheidende Phase der außerordentlichen Schlichtung gegangen. Erzielt der Schlichter Hans-Jochen Vogel bis Mitternacht keine Einigung, will die IG Metall ihre 500.000 Mitglieder im Südwesten am kommenden Montag zur Urabstimmung über einen Streik aufrufen. Der ehemalige SPD-Chef Vogel kündigte einen "langen Tag" an. An dem Ausgang der Verhandlungen für die Metaller will sich auch die ÖTV, die bereits überraschend zu Warnstreiks aufgerufen hat, in der Tarifrunde für den öffentlichen Dienst orientieren.

Am Dienstag waren die Metall-Gespräche nach zwölfstündigem Ringen um einen Kompromiß ohne Ergebnis unterbrochen worden. Der Verhandlungsführer der IG Metall, Berthold Huber, sagte: "Die Arbeitgeber haben sich bemüht und wir haben uns bemüht." Es sei über die lineare Erhöhung, Einmalzahlung, Pauschalbetrag, Laufzeit und den Zeitlohnzuschlag gesprochen worden. Ob neue Angebote vorgelegt wurden, blieb unklar. Die Verhandlungsparteien haben für die Zeit der Schlichtung Stillschweigen über den Verhandlungsstand vereinbart.

Am Mittwoch nachmittag werden die Vorstände von IG Metall und Gesamtmetall erwartet. Wenn sich die Tarifparteien in der Schlichtung auf einen Abschluß einigen, müssen die IG Metall-Führung und der Gesamtmetall-Vorstand zustimmen. Ein Pilotabschluß kommt in der Metall- und Elektroindustrie nur zustande, wenn auch die Großen Tarifkommissionen der IG Metall in den Tarifbezirken und die Vorstände der regionalen Arbeitgeberverbände ihr Plazet geben.

Die Arbeitgeber bieten für die bundesweit 3,5 Millionen Beschäftigten 2,3 Prozent mehr Lohn und eine ertragsabhängige Einmalzahlung von 0,5 Prozent des Jahresentgeltes an. Die Gewerkschaft fordert 6,5 Prozent mehr Lohn.