Index-Entscheidung Gnadenfrist für MLP

MLP-Gründer Manfred Lautenschläger kann aufatmen. Die Deutsche Börse belässt den umstrittenen Finanzdienstleister im Dax 30 und damit den Index unverändert. Zugleich weist die Börse Kritik gegen ihre Entscheidung zurück.

Frankfurt/Main - Die Aktie des Finanzdienstleisters MLP  bleibt weiterhin im Deutschen Aktienindex Dax 30. Das teilte die Deutsche Börse am Dienstag in Frankfurt mit. Die MLP-Aktie war erst vor anderthalb Jahren in den wichtigsten deutschen Aktienindex aufgenommen worden. Das Papier stieg im nachbörslichen Handel um rund sechs Prozent.

Wegen des stark gefallenen Aktienkurses galt der Verbleib von MLP im wichtigsten deutschen Auswahlindex wochenlang als gefährdet. Bereits am Dienstagmittag hatte es allerdings nach Angaben von Händlern Spekulationen gegeben, dass MLP doch im Dax bleiben könne, weil es keinen geeigneten Nachfolger gebe.

"Wir haben das lange diskutiert", sagte Christoph Lammersdorf, Managing Director Information Services, am Dienstagabend in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters. "Klar, es gab einen Rausnahmekandidaten, es gab aber keinen Aufstiegskandidaten, der sich aufgedrängt hätte."

Beiersdorf-Hoffnungen wurden enttäuscht

Im Tagesverlauf war die Aktie des Heidelberger Finanzdienstleisters bei geringen Umsätzen um rund drei Prozent auf 8,48 Euro gestiegen. Händler sagten, die Kursgewinne seien auf spekulative Käufe von Kleinanlegern zurückzuführen. "MLP interessiert hier keinen mehr", sagte ein Marktteilnehmer. Es handele sich um das "verbrannte Kind" im Dax.

Während eine Mehrheit der Analysten im Vorfeld einen Austausch von MLP gegen Beiersdorf  favorisiert hatte, gab es auch einige, die auf Unsicherheiten bei einer Entscheidung für den Nivea-Creme-Hersteller hingewiesen hatten.

So gibt es seit längerem Spekulationen, der US-Konzern Procter & Gamble sei an dessen Übernahme interessiert. Ein entsprechendes Kaufangebot an die Aktionäre würde den Streubesitz des Konzerns möglicherweise so stark verkleinern, dass er die Dax-Kriterien mit einem Schlag nicht mehr erfüllen würde. "Man muss die Sicherheit haben, dass die Entscheidung auch lange hält", sagte Lammersdorf. "Die Entscheidung war auch im Sinne der Anleger, denn Index-Veränderungen bedeuten Veränderungen bei den Fonds, bedeuten Kosten. Am 8. Mai haben wir unseren nächsten Entscheidungstag, dann wird man weiter sehen."

Deutsche Börse weist Vorwürfe zurück

Vorwürfe, man habe im vergangenen Jahr als es um die Aufnahme der Deutschen Börse im Tausch gegen den Technologiekonzern Epcos  in den Dax ging, in ähnlicher Situation anders entschieden, ließ Lammersdorf nicht gelten. "Die Situation war damals klarer, damals war der Aufnahmekandidat acht Mal größer als der Absteiger. Dieses Mal war er nicht mal vier Mal so groß", sagte er.

Dax-Kandidaten müssen nach Börsenwert (Aktienzahl multipliziert mit dem Kurswert) und nach Handelsumsatz der Aktie mindestens zu den 35 bedeutendsten Aktien gehören. Der MLP-Börsenwert lag zuletzt jedoch nur auf Rang 50.

Die weiteren Änderungen

EADS künftig im MDax

Unterhalb des Dax werden die Indizes verkleinert, für ausländische Firmen geöffnet und nach Branchen sortiert. Künftig gibt es den MDax und den SDax für Unternehmen klassischer Wirtschaftszweige wie Auto, Pharma oder Finanzen sowie den TecDax für Technologiefirmen. Der TecDax ist der Nachfolger des Neuen-Marktindex' Nemax 50, der nur noch bis 2004 berechnet wird.

In den erstmals auch für ausländische Unternehmen geöffneten MDax der mittleren Werte schafften es die Aktie des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS  und die mittlerweile in Dublin ansässige Staatsfinanzierungsbank Depfa  sowie drei weitere Titel (siehe: "25 Absteiger, fünf Neueinsteiger").

Die Änderungen in den Aktienindizes werden zum 24. März umgesetzt. Der nächste Termin für die Überprüfung der Aktienindizes ist der 8. Mai. Der MDax wird von 70 auf 50 notierte Unternehmen verkleinert.

Warum die Indizes so wichtig sind

Um in einen Index zu kommen, müssen Aktiengesellschaften die Zulassung für die Börsenoberliga "Prime Standard" besitzen. Für dieses Segment gelten besonders strenge Regeln, wie beispielsweise Quartalsberichte. Mehr als 370 Firmen hatten einen entsprechenden Antrag gestellt. Alle übrigen werden in den "General Standard" sortiert, in dem das gesetzliche Minimum gilt.

Wechsel in den wichtigen deutschen Indizes bewegen Milliarden-Beträge, da viele Fonds und Indexzertifikate sich in ihrer Anlagepolitik am Dax orientieren. Nach Schätzung einer US-Investmentbank hängen allein am Dax rund 27 Milliarden Euro.

Außerdem genießen Index-Mitglieder ein deutlich größeres Interesse seitens der Investoren. "Für Absteiger gilt dagegen das Motto 'Aus den Augen, aus dem Sinn'", so ein Fondsmanager.

MDax: 25 Absteiger, fünf Neueinsteiger TecDax: Die Zusammensetzung im Überblick TecDax: Alter Wein in neuen Schläuchen? Hintergrund: Schöne neue Indexwelt?


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