Hintergrund Die neue Indexwelt

Dax, MDax, TecDax - die neue Indexwelt wird straffer organisiert. Den Kampf um die Plätze verfolgen Investoren mit Spannung. Die Neuordnung ist indes nicht unumstritten.

Frankfurt - Die deutsche Börsenarchitektur wird künftig straffer, internationaler und nach Branchen aufgeteilt. Damit steht Deutschlands Index-Landschaft vor einer umfangreichen Neugestaltung, die am 24. März greifen soll. Bei dem wichtigsten deutschen Börsenbarometer, dem Deutschen Aktienindex Dax, wird sich zwar nicht viel ändern. Mit dem TecDax wird allerdings ein völlig neuer Index geschaffen, der das Ende des Neuen Marktes endgültig besiegelt.

Den Kampf um die Plätze in einem Aktienindex verfolgen Investoren und betroffene Unternehmen mit Spannung: Papiere, die einen Sitz in einem renommierten Börsenbarometer ergattern, werden mit einer höheren Aufmerksamkeit der Investoren belohnt. Die Absteiger müssen dagegen häufig Kursverluste hinnehmen.

In welchen Index eine Aktie gelangt, entscheiden der Handelsumsatz des Papiers sowie der Börsenwert einer Gesellschaft. Der Handelsumsatz besagt, wie hoch das Volumen der Geschäfte mit einer Aktie im vergangenen Jahr war. Damit sollen die am meisten gehandelten Aktien ausgemacht werden.

Börsenwert: Nur die frei handelbaren Aktien zählen

Der Börsenwert, auch Marktkapitalisierung genannt, errechnet sich aus dem Aktienkurs multipliziert mit der Zahl der Aktien. Dabei zählen nur die frei handelbaren Aktien. Wertpapiere in Händen von Großaktionären bleiben außen vor. Dies ist für Unternehmen wie die Deutsche Telekom von Nachteil, an der der Staat noch große Anteile hält.

In dieser ersten Börsenliga werden die 30 wichtigsten inländischen Aktiengesellschaften zusammengefasst. Dax-Kandidaten sollen nach den Kriterien Umsatz und Börsenwert mindestens zu den 35 größten und wichtigsten gehören. Üblicherweise überprüft die Börse nur im August die Zusammensetzung dieses Indizes. Allerdings gibt es Ausnahmeregeln. Wenn ein Dax-Wert bei einer der beiden Bedingungen nicht mehr zu den 45 wichtigsten gehört, darf er schon früher ausgetauscht werden. Dies war aktuell für den Finanzdienstleister MLP erwartet worden, der nun doch im Dax verbleibt.

Wo es hart zur Sache geht

EADS im MDax

Unterhalb des Dax ändert sich die Index-Landschaft deutlich. Die Börsenbarometer werden zum Teil verkleinert, nach klassischen und Technologiebranchen aufgeteilt und öffnen sich ausländischen Firmen. Klassische Industriezweige finden in MDax  und SDax ihre Heimat. Der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern EADS schaffte mit der Entscheidung vom Dienstag den Sprung in den MDax für mittelgroße Industrieunternehmen.

Völlig neu ist der Technologieindex TecDax, der 30 Werte aus dem In- und Ausland umfasst. Er steht Technologieunternehmen offen, die nach Börsenwert und Umsatz zu den 35 größten unterhalb des Dax gehören.

Radikale Schrumpfkur

Der TecDax folgt dem Auswahlindex Nemax 50  des Neuen Marktes, wird aber mit Werten wie Epcos  oder Software AG  auch Unternehmen aus dem bisherigen MDax enthalten.

Der MDax wird von derzeit 70 auf 50 Werte verkleinert. Die wichtigsten in- und ausländischen Unternehmen aus klassischen Industriezweigen finden dort ihren Platz. Die Kandidaten müssen bei Handelsumsatz und Börsenwert zu den 60 wichtigsten Unternehmen unterhalb des Dax gehören.

Weitere 50 klassische Unternehmen aus dem In- und Ausland finden einen Platz im SDax. Sie müssen nach Handelsumsatz und Börsenwert zu den 110 größten Aktiengesellschaften unterhalb des Dax gehören.

Der Nemax 50 ist ein Auslaufmodell. Er enthält neben den TecDax-Werten noch 20 weitere Technologiefirmen. Berechnet wird er jedoch wegen des Endes für den Neuen Markt nur noch bis Ende 2004.

Was die Kritiker bemängeln

"General Standard" – das Börsen-Niemandsland?

Um überhaupt in einen dieser Auswahlindizes zu gelangen, muss eine Aktiengesellschaft eine Zulassung für das Börsensegment "Prime Standard" besitzen. Voraussetzung sind Quartalsberichte, internationale Rechnungslegung, Analystenkonferenzen sowie die Veröffentlichung von Pflichtmitteilungen in englischer und deutscher Sprache. Wer nur das gesetzliche Minimum erfüllt, findet sich im "General Standard" wieder.

Die gesamte Börsenlandschaft ist außerdem künftig im Öffentlichen Recht verankert. Anders als die üblichen Segmente waren der Neue Markt und der Smax für kleine Unternehmen bislang privatrechtlich organisiert. Mit diesem rechtlichen und organisatorischen Durcheinander verschiedener Börsensegmente ist somit Schluss. Das macht sie auch reformfähiger. Änderungen am Neuen Markt scheiterten nicht zuletzt an dessen privater Organisation, die Reformen erheblich erschwerte.

Aufstieg aus dem Neuen Markt in den Dax möglich

Künftig kann durch die Änderung auch eine Aktie des ehemaligen Neuen Marktes bis in den Dax aufsteigen, hebt die Fondsgesellschaft Union Investment hervor. Der Neue Markt war dagegen ein geschlossener Kosmos für sich. Auch mit der Verkleinerung der Indizes hat die Börse dem Wunsch vieler Anleger nachgegeben. Für die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) sind insbesondere die strengen Regeln für den "Prime Standard" ein Pluspunkt für die Aktionäre.

Vereinzelt gibt es jedoch auch Kritik. Die Reform berge die Gefahr, dass Unternehmen aus dem "General Standard" nur noch stiefmütterlich behandelt würden, sorgt sich SdK-Vorstand Markus Straub. Denn für sie ist bislang kein Extra-Index vorgesehen. Rolf Drees von Union Investment hinterfragt wiederum die Trennung von klassischen und technologischen Branchen unterhalb des Dax. "Die Zeiten, in denen Technologieunternehmen anders bewertet wurden als klassische Branchen, sind schließlich vorbei", betont Drees.

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