Heidelberger Druck "Es kann nicht schlimmer werden"

Der Druckmaschinenbauer schockt die Märkte. Der Fehlbetrag im Gesamtjahr wächst. Eine Umsatzwarnung komplettiert das Desaster.

Heidelberg - Der weltgrößte Druckmaschinenhersteller Heidelberger Druck steckt tief in der Krise und schockt die Märkte mit einer Umsatzwarnung. Der Fehlbetrag werde im Geschäftsjahr 2002/2003 angesichts der Kosten für Entlassungen und Restrukturierungen zwischen 50 Millionen und 70 Millionen Euro liegen, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Auch die Erlöse werden mit 4,1 Milliarden bis 4,2 Milliarden Euro die Erwartungen nicht erfüllen können.

Bereits in den ersten neun Monaten rutschte der Konzern nach eigenen Angaben mit 82 Millionen Euro in die Verlustzone, nachdem im Vorjahr noch ein Plus von 84 Millionen Euro erzielt wurde. Das operative Ergebnis vor Steuern und Zinsen brach auf 48 von 161 Millionen Euro ein und fiel damit noch schwächer aus, als Analysten geschätzt hatten.

Der Umsatz ging um 19 Prozent auf 2,90 Milliarden Euro zurück. Ob Heidelberger Druck für das laufende Geschäftsjahr eine Dividende zahlen werde, sei offen, sagte Finanzvorstand Herbert Meyer.

"Die Investitionszurückhaltung ist so groß, dass es nicht schlimmer werden kann", so Meyer weiter. Auch im nächsten Geschäftsjahr sei nur mit geringen Umsatzzuwächsen zu rechnen. Dennoch werde Heidelberger Druck auf jeden Fall in die schwarzen Zahlen zurückkehren.

Aktie auf Talfahrt

Die aufmunternden Worte verhallten indes ungehört. Die deutlich schlechter als erwartet ausgefallene Neunmonatszahlen schickten die Heidelberger-Aktie am Morgen zunächst auf Talfahrt. Im weiteren Handelsverlauf war bei den Papieren jedoch eine Erholung vom Tagestief bei 17,50 EUR zu beobachten.

Analyst Richard Schramm von HSBC Trinkhaus & Burkhardt sieht noch eine Menge Fragezeichen bei Heidelberger Druck. "Das bestätigt, dass der Markt die Aktie richtigerweise auf ein Allzeit-Tief gebracht hat", sagt er. Seine Einstufung laute "Reduce", mit einer Abstufung auf "Sell" rechne er nicht, "weil das Unternehmen selbst nicht so schlecht ist - es ist eher ein temporärer Abschwung im Sektor, der länger als erwartet dauert."

Zum gemeldeten Neunmonats-Betriebsergebnis bemerkte unterdessen ein Analyst von WestLB Panmure: "Wenn diese Zahl für das dritte Quartal allein gelten würde und nicht für die gesamten ersten neun Monate, dann würde ich sagen: 'OK'. Aber das Unternehmen hat es geschafft, meine bereits negativen Erwartungen noch zu unterbieten."

Entlassungen und Kurzarbeit

Vorstandschef Bernhard Schreier hatte Anfang November trotz der erwarteten Kosten für ein Restrukturierungsprogramm von 140 Millionen Euro für 2002/2003 noch einen Gewinn nach Steuern und 4,4 bis 4,6 Milliarden Euro Umsatz in Aussicht gestellt. Über die im Herbst beschlossenen 2200 Stellenstreichungen hinaus lässt Heidelberger Druck angesichts der Auftragsflaute im Februar und März an drei Standorten kurz arbeiten.

In Wiesloch, in Amstetten und in Brandenburg seien davon 4200 Beschäftigte betroffen, sagte Meyer. Weitere Kürzungspläne gebe es bei einem zumindest konstanten Umsatz nicht. Der Auftragseingang ging in den ersten drei Quartalen um zwölf Prozent auf 3,1 Milliarden Euro zurück. Bestellungen vor allem von kleineren und mittleren Kunden seien teils "sehr, sehr kurzfristig" verschoben worden.

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