Commerzbank Gewinne erst 2004?

Nach den dicken Verlusten vertröstet Vorstandschef Müller die Märkte auf das laufende Jahr. Doch Analysten bleiben skeptisch. Standard & Poor's erwartet in 2003 keine schwarzen Zahlen. Die Aktie gibt weiter nach.

Frankfurt - Die Commerzbank  ist wegen hoher Verluste im vierten Quartal im Gesamtjahr 2002 erstmals in ihrer Firmengeschichte in die roten Zahlen gerutscht, will den Aktionären aber dennoch eine Dividende von 0,10 (Vorjahr: 0,40) Euro pro Aktie zahlen. Für das laufende Jahr erwartet der Vorstand auch bei widrigen Umständen eine Rückkehr in die Gewinnzone.

Die Aktie der Commerzbank notierte am Mittwochvormittag gegen 10.40 Uhr mit 2,66 Prozent im Minus auf 6,21 Euro. Der Wert hatte bereits am Vortag mehr als drei Prozent abgegeben.

Der Vorsteuerverlust für 2002 betrage 372 Millionen Euro nach einem Gewinn von 43 Millionen Euro im Vorjahr, teilte die Commerzbank am Mittwoch mit und bestätigte damit einen Bericht der Nachrichtenagentur Reuters von Montag. Nach Steuern lag der Verlust bei 298 Millionen Euro. Spekulationen um eine mögliche Fusion der Commerzbank erteilte Vorstandschef Klaus-Peter Müller erneut eine klare Absage.

Verluste höher als von den Märkten erwartet

Mit ihren Zahlen lag die Commerzbank noch unter den Erwartungen von Experten, die im Schnitt einen Verlust von 312 Millionen Euro vor Steuern und unter dem Strich ein Minus von 282 Millionen Euro prognostiziert hatten.

Die Analysten zeigten sich von den operativen Zahlen enttäuscht, sahen aber vor allem bei den Kosten Lichtblicke. Die Rating-Agentur Standard & Poor's hält es dagegen für wenig wahrscheinlich, dass die Commerzbank 2003 wieder schwarze Zahlen schreibt.

Allein im vierten Quartal verzeichnete Deutschlands drittgrößte börsennotierte Bank nach Reuters-Berechnungen einen Vorsteuerverlust von 417 Millionen Euro. Die Bank hat hohe Restrukturierungsaufwendungen im Schlussquartal gebucht, was sich entlastend auf die Ergebnisse im laufenden Jahr auswirkt.

Die Risikovorsorge gab die Bank für das Gesamtjahr mit 1,32 Milliarden Euro an, nach einem Wert von 927 Millionen Euro im Vorjahr. Damit liege das Geldhaus im Plan. 2003 solle die Höhe der Risikovorsorge unter das Niveau von 2002 fallen, sagte Vorstandschef Müller bei einer Analystenkonferenz.

Der Verwaltungsaufwand sank um zwölf Prozent auf 5,15 Milliarden Euro und sei damit auch unter der selbst gesteckten Marke von 5,5 Milliarden Euro geblieben. 2003 wolle die Commerzbank die Kosten unter die Marke von fünf Milliarden Euro drücken.

Standard & Poor's ist skeptisch

Müller weist Fusionsgerüchte erneut zurück

Bei weiter verschlechterten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen seien Zins- und Provisionsüberschuss sowie der Eigenhandel hinter den Vorjahreswerten zurückgeblieben, teilte die Commerzbank weiter mit. So ging das Handelsergebnis auf 543 Millionen Euro nach 1,197 Milliarden Euro zurück. Die für die Refinanzierung der Bank wichtige Kernkapitalquote stieg dagegen auf 7,3 Prozent von 6,0 Prozent im Vorjahr an.

Die Bank erwarte, 2003 wieder in die Gewinnzone zu kommen, hieß es. Wie hoch der Gewinn ausfallen werde, lasse sich jedoch derzeit noch nicht abschätzen, sagte Müller.

Gerüchten, die Commerzbank könne in absehbarer Zeit mit der HypoVereinsbank fusionieren, erteilte Müller erneut eine klare Absage: "Wir verschwenden unsere Zeit nicht mit Teil- oder Komplettfusionen", sagte Müller. Außerdem teilte der Vorstandschef mit, dass die Commerzbank ihren Anteil in Höhe von 3,9 Prozent an der französischen Bank Credit Lyonnais im vierten Quartal verkauft habe.

"Die Kosten scheinen wirklich im Griff zu sein und auch der Anstieg der Kernkapitalquote ist positiv. Die Ertragsseite war aber sehr schwach, dabei fällt insbesondere der Provisions- und Zinsüberschuss ins Auge", sagte Georg Kanders von WestLB Panmure.

Standard & Poor's bleibt skeptisch

Außerdem gehe der Analyst davon aus, dass die Bank ihr Ziel erreicht und im Jahresverlauf wieder schwarze Zahlen schreibt. Sein Rating lässt Kanders angesichts des niedrigen Aktienkurses bei "Outperform".

Dagegen hegt die Rating-Agentur Standard & Poor's Zweifel am Ziel der Commerzbank, 2003 wieder schwarze Zahlen zu schreiben: "Die Bank wird es sehr schwer haben, 2003 wieder profitabel zu werden", sagte S&P-Analyst Stefan Best. Allerdings sei es noch zu früh, Aussagen über die Rating-Entwicklung der Commerzbank zu machen. S&P hatte das Langfrist-Rating der Commerzbank Anfang Oktober auf "A-" von "A" gesenkt.

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