Die Trinkaus-Kolumne Man höre und staune - und warte!

SAP hat mit seinen unlängst präsentierten Daten überrascht. Jetzt stellt sich die Frage: Was ist als nächstes zu erwarten?
Von Klaus Lüpertz

Glückwunsch nach Walldorf. Die jüngst vorgelegten Zahlen von SAP  sind von vielen Analysten - und ich zähle dazu - nicht erwartet worden.

Der Softwarekonzern erreichte in 2002 sein als ehrgeizig geltendes Umsatzrenditeziel von 21 Prozent nicht nur, es wurde mit 22,7 Prozent sogar deutlich übertroffen! Im laufenden Jahr soll sogar eine weitere Steigerung auf 24 Prozent erreicht werden. Voraussetzung dafür sei ein moderates Umsatzwachstum und ein unverändertes Einkaufsverhalten der Kunden.

Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) stieg im Vergleich zum Vorjahr um 15 Prozent auf 1,7 (1,5) Milliarden Euro. Der Umsatz legte zwar nur um 1 Prozent auf 7,4 (7,3) Milliarden Euro zu, doch hatte SAP dies bereits im Verlauf des letzten Jahres der Sarotti-Methode (Stückchen für Stückchen) folgend, auch avisiert, nachdem zu Jahresbeginn 2002 noch von 15 Prozent Umsatzwachstum gesprochen wurde.

Hohe Abschreibung auf Commerce One

Vor allem das vierte Quartal war für SAP sehr erfolgreich. Von den 509 Millionen Euro Ergebnis nach Steuern erwirtschaftete das Unternehmen allein 474 Millionen Euro in diesem Zeitraum. Ohne Firmenwertabschreibungen (vor allem auf die 20-Prozent-Beteiligung an Commerce One ) und andere Sonderbelastungen hätte das Nettoergebnis 2002 bei 1 Milliarden (851 Millionen) Euro gelegen.

Sollen diese Zahlen zur Euphorie Anlass geben? Die Renditesteigerung, so gut sie auch war, wurde u.a. durch ein neues Kostensenkungsprogramm erreicht. Werden hier in 2003 die gleichen Erfolge erzielt?

Außerdem stimmt nachdenklich, dass die Umsätze des Unternehmens mit Softwarelizenzen im vergangenen Jahr nach SAP-Angaben auf 2,3 (2,6) Milliarden Euro zurückgingen. Auf dem viel beachteten US-Markt schrumpften die Umsätze um 17 Prozent auf 721 Millionen Euro. Allerdings hat sich hier der Wechselkurs deutlich bemerkbar gemacht, denn bei konstanten Wechselkursen hätte der Rückgang nur bei 1 Prozent gelegen.

Marktteilnehmer sind weiterhin vorsichtig

Was bleibt? SAP konnte als eines der wenigen Unternehmen bisher eine wirklich positive Überraschung liefern. Allerdings scheinen die Marktteilnehmer dem "Braten noch nicht so recht zu trauen". Immerhin gab es kaum Kurszuwächse auf die News hin.

Die Bewertung ist, selbst unter der Annahme, dass SAP in 2003 die selbstgesteckten Gewinnziele pro Aktie schafft, mit einem Wert in der hohen 20ern immer noch recht solide. Die Lage für SAP scheint sich tendenziell zu verbessern, aber es gibt noch keinen Grund, diese Aktie zum Kauf heraus zu stellen.

Wer allerdings, aus welchen Gründen auch immer, von einer dynamischen Erholung des Gesamtmarktes in den nächsten Monaten ausgeht, der kommt auch an SAP nicht vorbei.

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