Wunschehe "Werner" heiratet "Das kleine Arschloch"

Zwei der erfolgreichsten deutschen Comicfiguren, "Werner" und "Das kleine Arschloch", kesseln künftig gemeinsam für den Geschäftserfolg. Die Achterbahn AG beteiligt sich zur Hälfte am Eichborn Verlag.

Kiel/Frankfurt - Wie das berühmte Kaninchen vor der Schlange saßen die deutschen Verlage im vergangenen Jahr vor den Konzernen Bertelsmann, Holtzbrinck und Springer. Starr vor Sorge um die Vielfalt der Verlagslandschaft schaute die Branche zu, wie sich Bertelsmann mit Random House und dem Berlin Verlag zusammentat, wie Springer das Verlagshaus Goethestraße übernahm und Holtzbrinck die Ehe von Droemer Knaur mit Weltbild bekanntgab.

Jetzt trauen sich mit Eichborn und Achterbahn erstmals zwei Mittelständler aus dem Windschatten der Großen heraus und bestellen ihr eigenes Aufgebot für eine "Wunschhochzeit", wie beide betonen: Die Achterbahn AG übernimmt 50 Prozent des Eichborn Verlags, der zu diesem Zweck zum 31. März ebenfalls in eine Aktiengesellschaft umgewandelt wird. Für den Erwerb der Anteile will die Achterbahn AG ihr Stammkapital um 400.000 Mark auf 4,4 Millionen Mark erhöhen und in der ersten Märzhälfte 80.000 neue Aktien ausgeben.

Mit der Beteiligung wolle man dem Konzentrationsprozeß im Buchhandel Paroli bieten, erklärten die Verlage am Dienstag. "Es ist doch verrückt, daß sich alle guten Leute unter die Knute eines Konzerns begeben. Wir passen gut zusammen, und es war eine Größe erreicht, wo man das Wachstum stabilisieren mußte, um weiter zu expandieren", erläuterte Achterbahn-Sprecher Stefan Brecht.

Die Achterbahn AG, die 1997 als erster deutscher Publikumsverlag den Börsengang wagte, ist vor allem durch die Vermarktung der "Werner"-Figur des Zeichners Brösel bekannt. Neben einer Gesamtauflage von über zehn Millionen Bänden trugen vor allem die "Werner"-Filme zum Erfolg des Unternehmens bei. Zum Sortiment zählen zudem "Der kleene Punker" und die "Ottifanten".

Der Eichborn-Verlag hat derzeit 1600 Buchtitel und Merchandising-Artikel im Angebot und erzielte 1998 einen Umsatz von 32 Millionen Mark. Neben Comics und Artikeln rund um "Das kleine Arschloch" von Walter Moers bilden Sachbücher, Belletristik und "Die andere Bibliothek" von Hans Magnus Enzensberger das Fundament des Verlagsprogramms.

Die Gemeinsamkeit liegt damit im Comic- und Cartoon-Bereich. So sollen insbesondere Verwertungsrechte an Filmproduktionen künftig im eigenen Haus bleiben. So seien die "Werner"-Filmrechte häufig mangels eigener Finanzmittel an externe Produzenten vergeben worden. "Wir haben die Figur geschaffen, die haben abkassiert", beschreibt Brecht die Situation. Künftig könnten solche Projekte aus eigenen Mitteln finanziert werden.

Trotz der Wunschehe wollen die Verlage aber auch in Zukunft inhaltlich eigenständig bleiben und nach weiteren Partner suchen. "Wir haben eine ganze Reihe von Anknüpfungspunkten", sagt Eichborn-Programmchef Wolfgang Ferchl. Und auch bei Achterbahn sei man weiter auf "Brautschau", kündigt Brecht an.

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