Tagesausblick Shortseller zittern

Investoren können durchatmen. Nach einem extrem nervösen Handelstag wagen sich wieder einige Käufer vor. Shortseller bekommen angesichts der Erholung im Dax kalte Füße. Nachrichten von SAP, Schering und BMW erfreuen Aktionäre.

Hamburg – Leichte Entspannung an den Märkten. Nach einem turbulenten und extrem volatilen Handelstag haben sich zuletzt die Käufer durchgesetzt. Der Dax, der in einer ersten Reaktion auf die Bush-Rede am Mittwoch zeitweise vier Prozent verloren hatte, drehte bis Handelsschluss um 1,3 Prozent ins Plus und kletterte wieder über 2700 Punkte.

Die Erholung in den USA zwingt Leerverkäufer, sich angesichts der steigenden Kurse wieder mit Aktien einzudecken: Diese Eindeckungsrallye sorgte dafür, dass der Dax um rund sechs Prozent schwankte und bis Handelsschluss den Turnaround schaffte.

Händler rechnen auch für den heutigen Donnerstag mit weiteren Gewinnen zum Handelsstart: Nachrichten von SAP , BMW  und Schering dürften den Index zunächst stützen.

Gegenreaktion jederzeit möglich

Der Dax war in den vergangenen zwei Wochen um rund 500 Punkte gefallen und war deutlich schwächer als die anderen Indizes. "Viele Investoren haben auf weiter fallende Kurse gesetzt – doch auf diesem niedrigen Niveau sind kräftige Gegenreaktionen jederzeit möglich", kommentierte ein Händler in Frankfurt.

Obwohl das Kriegsrisiko eher gestiegen ist und die USA in der zweiten Februarwoche Beweise vorlegen wollen, dass der Irak Massenvernichtungswaffen besitzt, wagen sich nun wieder die Käufer hervor.

Die US-Börsen setzten im späten Handel ihre Erholung fort, obwohl Nachrichten von Unternehmen wie Kraft und AOL Time Warner keinen Anlass zur Begeisterung gaben. Der Dow Jones kletterte im späten Handel um 0,3 Prozent in die Gewinnzone, während der Nasdaq Composite 1,2 Prozent höher schloss. Die US-Notenbank trug nach US-Börsenschluss ihren Teil zur Beruhigung der Anleger bei.

Dow fester trotz Gewinnwarnung von Kraft

Fed lässt Zinsen bei 1,25 Prozent

Auch auf der Zinsseite gibt es keine Überraschungen, was zur Beruhigung der sehr angespannten Situation beiträgt. Nach Börsenschluss in Deutschland gab die US-Notenbank bekannt, die Leitzinsen unverändert zu lassen. Der als Schlüsselzins geltende Zielsatz für Tagesgeld bleibe bei 1,25 Prozent und damit auf dem niedrigsten Niveau seit mehr als 40 Jahren, teilte die Fed nach den zweitägigen Beratungen ihres Offenmarktausschusses (FOMC) in Washington mit. Eine weitere Zinssenkung wäre am Markt als Zeichen für einen baldigen Kriegsbeginn gewertet worden.

Dow fester trotz Gewinnwarnung von Kraft

Nach zunächst kräftigen Verlusten war der Dow Jones am Mittwoch bis Handelsschluss wieder über 8100 Punkte geklettert, obwohl der Nahrungsmittelhersteller Kraft Foods eine Gewinnwarnung herausgegeben hat. Kraft begründete den Schritt mit höheren Pensionskosten.

Von den deutlichen Verlusten bei Kraft wurde auch Altria, ehemals Philip Morris , in Mitleidenschaft gezogen. Altria gab mehr als drei Prozent ab, obwohl das Unternehmen selbst mit seinen Quartalszahlen die Erwartungen der Analysten getroffen hat.

AOL TimeWarner: Turners Milliardenverlust

AOL TimeWarner: Abschied mit Rekordverlust

Etwas besser als erwartet waren auch die Zahlen von AOL Time Warner, obwohl der Konzern auf Grund von riesigen Abschreibungen den größten Jahresverlust in seiner Firmengeschichte verbucht hat. Zugleich kündigte der Konzern das Ausscheiden seines Vize-Vorsitzenden, des CNN-Gründers Ted Turner, an.

Der Verlust von AOL Time Warner betrug 2002 fast 100 Milliarden Dollar. Allerdings ist rund die Hälfte (45 Milliarden Dollar) davon auf Wertberichtigungen für die Internettochter AOL Online und den Kabelfernsehbereich zurückzuführen. zuschreiben. Der Umsatz im vierten Quartal stieg jedoch um 10 Prozent auf 11,4 Milliarden Dollar.

Der Abgang von Turner belastete die Aktie. Turner hatte immer wieder erklärt, dass der im Januar 2001 erfolgte Zusammenschluss von America Online Inc mit Time Warner Inc ein Fehler gewesen sei. Im nachbörslichen Handel gaben die Aktien um rund 10 Prozent auf 12,57 Dollar nach. Seit dem Zusammenschluss sind die Titel um 78 Prozent abgestürzt.

SAP, BMW und Schering stützen Dax

Stimmung verbessert - Schering erhöht Dividende

Die deutliche Erholung im Dax hat nach Ansicht von Beobachtern verschiedene Ursachen. Hauptgrund sei die feste US-Börse, die Leerverkäufer aus dem Markt getrieben habe. Außerdem haben Finanz- und Autowerte deutlich zugelegt, die zuletzt stark unter Druck gestanden hatten.

Von den Zahlen der Dax-Konzerne Schering , Adidas Salomon , BMW  und SAP  erhoffen sich Anleger nun weitere positive Impulse.

Der Pharmakonzern Schering  hatte bereits gestern mehr als fünf Prozent zugelegt und teilte am Donnerstag mit, dass der Umsatz im vergangenen Jahr um vier Prozent auf 5,023 Milliarden Euro gestiegen ist. Bereinigt um Wechselkurseinflüsse betrug das Plus zehn Prozent und lag damit leicht über den Erwartungen. Schering will seine Dividende auf 0,93 Euro erhöhen.

SAP schlägt die Prognosen

Auch SAP überraschte posititiv. Der Gewinn des Softwarekonzerns SAP  ist im vierten Quartal bei leicht fallendem Umsatz höher ausgefallen als von Analysten erwartet. Der Gewinn sei im letzten Jahresabschnitt um fast die Hälfte von 319 Millionen Euro auf 474 Millionen Euro geklettert, teilte SAP am Donnerstag in Walldorf mit. Der Umsatz sei währungsbedingt um 2 Prozent auf 2,28 Milliarden Euro gefallen. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) für 2002 sei im Vergleich zum Vorjahr um 15 Prozent auf 1,7 (1,5) Milliarden Euro gestiegen, teilte SAP am Donnerstag mit.

Umsatzplus bei BMW

BMW legte bereits gestern vor Bekanntgabe der vorläufigen Umsatzzahlen zu. Der neue Mini hat dem Münchener Automobilkonzern 2002 zu Rekorden bei Umsatz und Absatz verholfen. So schnellten die Erlöse um 9,9 Prozent auf 42,3 Milliarden Euro nach oben. Analysten hatten aber für das vergangene Jahr sogar auf ein Umsatzplus von 11 bis 13 Prozent spekuliert.

Gerüchte treiben DaimlerChrysler

Allianz  und Münchener Rück  haben sich von ihrem tiefen Fall erholt, da sie auf Grund ihrer großen Aktienportfolios von jeder Erholung des Gesamtmarktes profitieren. Der Autobauer DaimlerChrysler  wurde von Gerüchten beflügelt, der Konzern werde seine Dividende auf zwei Euro verdoppeln. Bei Kursen von derzeit rund 27 Euro ergäbe das eine stolze Dividendenrendite von rund sieben Prozent.

Eon: Hängepartie geht weiter

Unter Druck bleibt dagegen der Energieversorger Eon : Dem Energiekonzern ist es trotz intensiver Verhandlungen bislang nicht gelungen, sich mit den Gegnern der Ruhrgas-Übernahme außergerichtlich zu einigen. Im gerichtlichen Beschwerdeverfahren um den Zusammenschluss will der Kartellsenat des Oberlandesgerichts Düsseldorf eine Entscheidung am Freitagmittag verkünden.

Tokio kaum verändert

Die Aktienbörse in Tokio hat am Donnerstag kaum verändert geschlossen. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte büßte nach anfänglichen Gewinnen 14,27 Punkte oder 0,17 Prozent auf 8316 Punkte ein. Der Euro notierte etwas leichter mit 1,083 Dollar nach 1,086 Dollar am Vortag.

Alle Marktberichte im Überblick Leerverkäufe: Die Macht der Shorties

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