Wall Street Warten auf Bush

Gute Nachrichten können die Märkte nicht beflügeln. Der Irak-Konflikt überschattet alles.

New York - Einen Tag nach dem Irakbericht des UNO-Waffeninspekteurs Hans Blix haben die Börsen am Dienstag ihren tagelangen Sturzflug zunächst beendet. Die teils hohen morgendlichen Gewinne konnten aber im Tagesverlauf nicht gehalten werden. Der Markt blieb verunsichert.

Neue Impulse nach oben oder unten könnte den Märkten am Mittwoch die Rede des US-Präsidenten George W. Bush geben. Allgemein wird erwartet, dass Bush am späten Dienstagabend (Ortszeit) die amerikanische Öffentlichkeit auf einen Angriff gegen den Irak auch ohne ausdrückliche Zustimmung des Weltsicherheitsrats einschwören wird.

Marktstratege: Abwärtstrend bleibt intakt

Die Wall Street ist am Dienstag nach den kräftigen Verlusten des Vortages zunächst fester gestartet, gab bis 17.35 Uhr allerdings wieder einen Teil ihrer Gewinne ab. Der Dow Jones notierte zuletzt noch 0,4 Prozent fester auf 8020 Punkten, nachdem er am Vortag unter der Marke von 8000 Punkten geschlossen hatte. Der Index für die US-Technologiebörse, der Nasdaq Composite , fiel wieder auf das Vortagesniveau zurück und pendelte um die Marke von 1325 Zählern. In Frankfurt pendelte der Dax ebenfalls um seinen Vortagesschluss bei 2650 Punkten, nachdem er am Vormittag mit 2705 Punkten sein Tageshoch gesehen hatte.

Die zunächst feste Tendenz am Frankfurter Aktienmarkt vom Vormittag erklärten Händler vor allem mit einer technischen Gegenbewegung auf die Verluste am Vortag. Zudem hätten kurzfristig orientierte Anleger die Kurse nach oben getrieben. Der Trend bleibe aber weiter abwärts gerichtet, was sich daran zeige, dass in den USA derzeit der kräftigste Handel mit denjenigen Aktien getrieben werde, die an Wert einbüßten, erklärte Giuseppe Amato, Marktstratege bei Lang & Schwarz.

US-Verbrauchervertrauen fällt nicht so stark wie erwartet

Weder die von Unternehmen vorgelegten Geschäftsdaten, die mehrheitlich über den Erwartungen lagen noch ein besseres Verbrauchervertrauen als erwartet konnten die Wall Street beflügeln.

Das Vertrauen der US-Verbraucher in die Wirtschaft ihres Landes hat sich im Januar abgeschwächt, aber weniger stark als von Analysten erwartet. Der vom Forschungsinstitut Conference Board ermittelte Index fiel auf 79,0 von revidiert 80,7 Punkten im Dezember, wie das Institut am Dienstag mitteilte. Analysten hatten indes einen stärkeren Rückgang auf 78,1 Punkte vorausgesagt.

"Mit der lauernden Kriegsgefahr sind die Verbraucher für die nächste Zeit zunehmend vorsichtiger geworden", sagte Lynn Franco, verantwortlich für die Verbraucherforschung des Instituts. Zudem reflektiere das aktuelle Indexniveau die lustlose wirtschaftliche Aktivität. Der Erwartungsindex fiel im Januar auf 81,4 von 88,1 Punkten. Der Verbrauchervertrauensindex gilt als Indikator für die künftige Entwicklung der Konsumausgaben, die rund zwei Drittel der US-Wirtschaftsleistung ausmachen.

Widersprüchliche Signale aus Bagdad

Die jüngsten Signale aus Bagdad sind auch widersprüchlich. Nach der Kritik der UNO-Waffeninspektoren an Irak hat der stellvertretende Ministerpräsident des Landes, Tarek Asis, eine engere Zusammenarbeit zugesagt. Zugleich aber verschärfte Asis den Ton gegenüber den USA. US-Soldaten würden im Falle eines Angriffs "mit Gewehrkugeln, nicht mit Blumen" begrüßt und müssten mit großen Verlusten rechnen, sagte Asis.

US-Außenminister Colin Powell hatte als Reaktion auf den am Montag vorgelegten Bericht der Waffeninspektoren betont, Irak habe "nicht mehr viel Zeit" für die von der UNO geforderte Abrüstung. Nach Einschätzung der Waffeninspektoren konnte Irak bislang nicht nachweisen, dass es wie gefordert alle Massenvernichtungswaffen zerstört hat.

US-Geschäftszahlen zumeist über den Erwartungen

Vorbörslich meldeten zahlreiche Unternehmen, Analystenerwartungen im vierten Quartal übertroffen zu haben. Dazu zählten der Chemiekonzern DuPont , der Konsumgüterkonzern Procter & Gamble , die Telefongesellschaft SBC Communications  sowie der Drucker- und Kopiergerätehersteller Xerox.

Der zweitgrößte US-Pharmakonzern Merck & Co.  hat seinen Gewinn im vierten Quartal nur leicht gesteigert, die durchschnittlichen Schätzungen der Analysten aber erfüllt. Auch für das laufende erste Quartal rechnet der Konzern nur mit einem leichten Wachstum.

Der weltgrößte Getränkehersteller Coca-Cola  wird Analysten zufolge weniger Gewinn ausweisen als im Vorjahr. Auch die Quartalsergebnisse Kraft Foods und Northrop Grumman stehen noch auf dem Terminkalender der Börsianer.

Der Biotechnologiekonzern Biogen  meldete vorbörslich, trotz eines Gewinnrückgangs die Schätzungen der meisten Analysten im vierten Quartal übertroffen zu haben. Binnen Jahresfrist sei der Gewinn je Aktie (EPS) vor Sonderposten von 48 auf 43 Cent zurückgegangen, die Experten hatten mehrheitlich mit 42 Cent je Anteilsschein gerechnet. Die Aktien gaben dennoch um 2,19 Prozent auf 35,33 US-Dollar nach.

US-Auftragseingänge unter den Erwartungen

In den USA ist der Auftragseingang für langlebige Güter im Dezember verglichen mit dem Vormonat leicht gestiegen. Binnen Monatsfrist kletterte der Auftragseingang um 0,2 Prozent, teilte das Handelsministerium am Dienstag mit. Von Reuters befragte Analysten hatten dagegen im Durchschnitt mit einem Anstieg um 0,75 Prozent gerechnet. Zudem wurde der Auftragseingang für den Vormonat von minus 1,5 auf minus 1,3 nach oben revidiert.

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