Aerospatiale-Matra Französische Lösung drängt Dasa in die Isolation

Beim Fusionsflug in die Neuordnung der europäischen Luft- und Raumfahrtindustrie findet sich die deutsche Dasa als Nachzügler wieder.

Paris/München - Die Teilprivatisierung und Fusion der staatlichen Aerospatiale SA mit der privaten Lagardère-Tochter Matra Hochtechnologie (HT) zu Europas zweitgrößtem Luft- und Raumfahrtkonzern drängt die Daimler-Chrysler Aerospace (Dasa) ins Abseits. Denn der lange umworbene Airbus-Partner British Aerospace (BAe) hatte zuvor schon den Deutschen eine innerbritische Fusion mit GEC Marconi vorgezogen. Nun haben die französischen Airbus-Partner - wenn auch mit gehöriger Verspätung - ihre eigene nationale Lösung gefunden.

Sie befinden sich damit in einer Position der Stärke gegenüber den Deutschen, die in der Vergangenheit immer wieder ihre Forderung nach völliger Aerospatiale-Privatisierung zur Vorbedingung für eine mögliche Fusion gemacht haben. Davon rückt die Dasa, die sich gemessen am Umsatz nun weltweit auf Rang sechs wiederfindet, zwar auch heute nicht ab. Doch ihre Forderung klingt in französischen Ohren zunehmend unglaubwürdig. Von "einem frommen Wunsch" spricht am Dienstag die französische Wirtschaftszeitung "La Tribune", die zu dem Schluß kommt: "Die Dasa hat allen Grund, unruhig zu werden."

Denn dem Großindustriellen Jean-Luc Lagardère, der mit einem Anteil von 33 Prozent nun größter privater Einzelaktionär der neuen französischen Aerospatiale-Matra-Gruppe wird, werden keine großen Ambitionen für eine Teilnahme an einer globalen europäischen Allianz nachgesagt. Die neue französische Einheit, die bei einem Umsatz von 14,9 Milliarden Dollar im Konzert der Großen weltweit auf Platz fünf mitspielt, ist in Europa in vielen Bereichen tonangebend. Sie muß sich nach dem Scheitern der Fusionsgespräche zwischen Dasa und BAe keine großen Gedanken mehr um deutsche Befindlichkeiten machen, auch wenn Aerospatiale durch Wertberichtigungen im Airbus-Geschäft bedingt 1998 in die roten Zahlen gerutscht sein soll.

"Nichts zwingt das französische Lager, der deutschen Gruppe einen solchen Gunstbeweis zu gewähren", meint "La Tribune" mit Blick auf die Forderung nach völligem Staats-Rückzug. Zudem hat die Regierung verlautbart, daß sie angesichts der strategischen Bedeutung des Konzerns auf jeden Fall eine Aktie mit Sonderrechten ("golden share") für sich in Anspruch nehmen werde. Dennoch umwerben die französischen Partner weiterhin die deutsche Dasa, mit der sie in den Bereichen Helikopter, Raketen und Satelliten eng verflochten sind. Ausdrücklich betonte in Paris Wirtschafts- und Finanzminister Dominique Strauss-Kahn: "Diese Fusion soll es ermöglichen, Frankreich auf andere Allianzen mit europäischen Partnern vorzubereiten."

Aerospatiale ist gemeinsam mit der deutschen Dasa bei einem Anteil von je 37,5 Prozent größter Airbus-Partner. Der größte Nutznießer des nun abflauenden Konzentrationsprozesses könnte daher das Airbus-Konsortium sein. Denn dessen Neuordnung war unter dem Eindruck der Unruhe bei den auf Brautschau befindlichen Partnern empfindlich gestört worden. Die Fusion in Frankreichs Luft- und Raumfahrtindustrie könnte damit eine Beschleunigung des Airbus-Reformprozesses einleiten. Es sei denn, die europäische Partnersuche würde nun von der Dasa noch um eine amerikanische Variante erweitert.

Erst am vergangen Freitag hatte die Dasa eine Gemeinschaftsfirma für Patriot-Raketen mit dem US- Rüstungskonzern Lockheed Martin gegründet. Die Dasa hatte betont, weiter selbst eine Neuordnung der europäischen Luftfahrtindustrie anzustreben, wollte ein Zusammengehen mit einem US-Unternehmen jedoch nicht ausschließen.

Ralf E. Krüger

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