Metall-Tarife Wettlauf gegen die Zeit

Ein schneller Durchbruch ist bei der Schlichtung in Baden-Württemberg nicht in Sicht. Schlichter Hans-Jochen Vogel rechnet erst am Mittwoch mit Ergebnissen.

Böblingen - Unter Vorsitz des früheren SPD-Vorsitzenden Hans-Jochen Vogel startete am Dienstag die erste Runde der außerordentlichen Schlichtung im Südwesten. Vogel sagte, er gehe mit Realismus an die Aufgabe. "Sie ist schwierig. Aber ich hoffe, daß wir sie lösen können." Das formlose Schlichtungsverfahren muß nach dem Ultimatum der IG Metall bis Mittwoch, 24.00 Uhr, zu einer friedlichen Einigung führen. Sonst will die IG Metall zur Urabstimmung aufrufen und damit die Streikmaschinerie in Gang setzen.

Eine Sprecherin der IG Metall sagte, die Verhandlungen fänden in sachlicher Atmosphäre statt. Für Mittwoch werde der IG- Metall-Vorstand im benachbarten Sindelfingen erwartet. Die Verhandlungskommission der baden-württembergischen Metaller sei bereits in Böblingen und warte die Gespräche ab. Auch Gesamt-Metallchef werde am Mittwoch in Böblingen erwartet, erklärte ein Sprecher der Arbeitgeber.

Die Gewerkschaft fordert 6,5 Prozent mehr Geld und lehnt das Arbeitgeberangebot von 2,3 Prozent plus einer 0,5prozentigen ertragsabhängigen Einmalzahlung strikt ab. Der Stuttgarter Bezirksleiter Berthold Huber sagte, er sehe eine Chance für einen Abschluß. Sonst sei das ganze nur eine Showveranstaltung gewesen. Der Verhandlungsführer der Arbeitgeber, Klaus Fritsche, versicherte, er wolle alles tun, um einen Streik zu vermeiden.

Für die Gewerkschaft ist ihre Forderung "nach unten verhandelbar". Huber betonte allerdings, daß für ihn jede Art von Ertragsabhängigkeit bei der von den Arbeitgebern vorgeschlagenen Einmalzahlung nicht in Frage komme. Der Stuttgarter Bezirksleiter sagte im Deutschlandradio Berlin: "Unsere Forderungen sind nicht realitätsfremd. Selbstverständlich haben wir den Arbeitgebern längst signalisiert, daß man mit uns über die 6,5 Prozent sprechen kann." Genaue Zahlen werde er aber nicht nennen. "Ich weiß nur, daß der Erwartungshorizont unserer Mitglieder in Baden-Württemberg über vier Prozent liegt."

Die Schlichtungsverhandlungen werden von Seiten der IG Metall von Huber, von dem designierten Daimler-Chrysler-Gesamtbetriebsratsvorsitzenden Erich Klemm und Wolf Jürgen Röder von der Verwaltungsstelle Reutlingen geführt. Auf Arbeitgeberseite nehmen neben Fritsche, Daimler-Chrysler Personalvorstand Heiner Tropitsch und Otmar Zwiebelhofer, dem Chef des regionalen Arbeitgeberverbands Südwest-Metall teil.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.