Credit Suisse Enrons langer Schatten

Der Rechtsstreit um angeblich unsaubere Praktiken in den USA sorgt dafür, dass der Verlust deutlich höher ausfällt als erwartet. Dagegen bereiten die Tochter Winterthur und das operative Geschäft Freude.

Zürich - Die Schweizer Großbank Credit Suisse Group  rechnet im Gesamtjahr 2002 mit einem Reinverlust von rund 3,4 Milliarden Franken. Die Rechtsstreitigkeiten der Investmenttochter Credit Suisse First Boston in den USA haben ihren Preis: Die Gruppe hat im vierten Quartal weitere Rückstellungen in Millionenhöhe gebildet, um Klagen in den USA auszugleichen. Von den Klagen sind zahlreiche Großbanken betroffen: Auch die Citigroup teilte am Dienstag mit, dass der Gewinn im vierten Quartal wegen der Prozess-Rückstellungen eingebrochen sei.

Im vierten Quartal nahm die Credit Suisse - Gruppe weitere Rückstellungen in Höhe von 702 Millionen Franken vor. Damit sollen Forderungen aus Rechtsstreitigkeiten beglichen werden, die im Zusammenhang mit der Pleite des Energieriesen Enron, angeblich unsauberen Zuteilungspraktiken bei Neuemissionen und wegen des Streits um die Unabhängigkeit von Research-Analysten entstanden waren. Nach Steuern sind das rund 456 Millionen Franken. Sie kommen zu den bereits gebildeten Rückstellungen in Höhe von 234 234 Millionen Franken (vor Steuern) hinzu.

Operatives Geschäft "stabil"

Die Gruppe rechnet jedoch mit "stabilen" Kernkapitalquoten gegenüber dem vorangegangenen Quartal. Die Aktie der CSG legte am Dienstag Vormittag zeitweise um mehr als vier Prozent zu.

Die Analysten von WestLB haben das Rating für die Aktie von "Outperformer" auf "Kauf" erhöht und setzen ein Kursziel von 48 Franken. Es sehe so aus, als ob die Gruppe die schlechten Nachrichten aus dem Weg geschafft habe und sich Winterthur wie versprochen entwickle, heißt es in einem Kommentar. Die Angaben zur starken operativen Entwicklung würden weitere Aufwendungen für die CSFB (im Zusammenhang mit Rechtsstreitigkeiten) aufwiegen.

"Positive Überraschung auf der operativen Seite"

Nach Einschätzung von Analysten könnten die Angaben zum Q4-Ergebnis als Gewinnwarnung interpretiert werden, allerdings werde dieses durch außerordentliche Faktoren belastet. Der Markt habe damit gerechnet, dass dieser Verlust erst 2003 verbucht werde.

"Auf der operativen Seite gab es eine positive Überraschung," hieß es. Das operative Ergebnis entspreche den Erwartungen und Winterthur sei in die Gewinnzone zurückgekehrt. Zudem hätten die Rückstellungen für notleidende Kredite im vierten Quartal abgenommen.

Günter Ogger: Die Bilanzfälscher Enron: Die Chronik einer Rekord-Pleite

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