EM.TV Junior soll Mickey Maus auf die Stupsnase hauen

Ziemlich frech sagt der Filmrechte-Vermarkter nun Branchenführer Disney den Kampf an. Dabei zählt der Börsen-Senkrechtstarter auf den Verbund mit der Kirch-Gruppe.

München - "Wir planen den Angriff bei Fernsehen, Video, Audio und mit Spielwarengeschäften", sagte der EM.TV-Vorstandschef Thomas Haffa auf der außerordentlichen Hauptversammlung am Montag. Unter der neuen Marke "Junior" sollen neben TV-Kanälen in den nächsten Jahren auch bis zu 400 Spielwarenläden in Deutschland etabliert werden.

Das Ergebnis gewöhnlicher Geschäftstätigkeit schoß bei der EM.TV Merchandising 1998 um 543 Prozent auf 30,1 Millionen Mark nach oben. Abzüglich der Kosten der Kapitalerhöhung zur Finanzierung von Junior-TV lag das Ergebnis bei 17,5 Millionen Mark. Der Umsatz wuchs um 278 Prozent auf 100,3 Millionen Mark.

Der Finanzchef Florian Haffa sagte, EM.TV hoffe, 1999 beim Umsatz Prognosen von Analysten noch zu übertreffen. Diese gehen von einer Ertragssteigerung bis auf 260 Millionen Mark aus. Gleiches gelte für die Gewinnerwartungen der Analysten von 17 bis 25 Mark je Aktie (1998: rund vier Mark). Am Neuen Markt konnte sich EM.TV jedoch nicht vom morgendlichen Abwärtstrend erholen und fiel deutlich um 4,7 Prozent auf 875 Euro.

Basis weiteren Wachstums soll Junior-TV sein. "Mit dem Projekt katapultieren wir uns in die Liga der führenden Vermarkter und Lieferanten von Kinder- und Jugendprogrammen weltweit", sagte der Vorstandschef Haffa. Über das 50:50-Joint-Venture besitzt EM.TV Lizenzen an 20.000 halbstündigen Kindersendungen. Damit soll EM.TV künftig auch die zwei bestehenden Kinderkanäle auf Kirchs Digital-Fernsehen DF1, "Junior" und "K-toon", betreiben. Auch der Disney- Konzern will nach bisherigen Plänen noch 1999 seinen Disney Channel auf DF1 starten.

Kleinaktionäre kritisierten die Verbindung zum Medienunternehmer Leo Kirch. Er sei das Joint Venture vor allem wegen finanzieller Probleme eingegangen. Die Zukunft bei einem Ausstieg oder Konkurs Kirchs sei unklar, sagte eine Vertreterin der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Vorstandschef Haffa konterte, EM.TV habe sich in jeder Hinsicht abgesichert. Dem Unternehmen stehe so lange auch der Gewinnanteil der Kirch-Gruppe am Joint-Venture zu, bis der Kaufpreis samt Kapitalkosten refinanziert sei.

Die Aktionäre gaben erwartungsgemäß grünes Licht für den Expansionskurs der vergangenen Monate. Der Börsen-Senkrechtstarter EM.TV war zahlreiche Beteiligungen auch an internationalen Lizenzfirmen und Trickfilmstudios eingegangen. Allein in Junior-TV floß eine halbe Milliarde Mark. Zur Finanzierung holte sich EM.TV im Dezember 298,8 Millionen Mark über neue Aktien. Zur regulären Hauptversammlung im Sommer stellte der Vorstand einen Aktiensplit in Aussicht.

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