Refugium Ein neuer Fall für den Richter

Die Ex-Vorstände der ehemaligen Nemax-Firma wurden angeklagt - Verdacht auf Betrug und Untreue.

Bonn - Nach der Verurteilung von Comroad-Gründer Bodo Schnabel und der Anklage gegen die ehemaligen EM.TV-Vorstände Thomas und Florian Haffa wurden nun weitere Manager angeklagt, die sich als Vorstand eines Nemax-Unternehmens betätigt hatten. Betroffen diesmal: drei ehemalige Vorstandsmitglieder der insolventen Refugium Holding AG , die einst Deutschlands größter Seniorenheimbetreiber war.

Die Bonner Staatsanwaltschaft wirft den ehemaligen Top-Managern - einem 59-jährigen Architekten, einem 56-jährigen Kaufmann und einem 47-jährigen Bankkaufmann - "kriminelle Machenschaften" vor.

Die Angeklagten sollen sich des Kapitalanlagebetrugs, der Bilanzfälschung, des Kreditbetruges und der Untreue schuldig gemacht haben. Das Verfahren soll demnächst vor der Wirtschaftsstrafkammer des Bonner Landgerichts eröffnet werden.

Das Unternehmen mit Hauptsitz in Königswinter sei von Anfang an auf Scheingeschäften aufgebaut gewesen. Beim Börsengang 1997 sei die Refugium mit grundlegend falschen Daten an den Start gegangen: Den Bilanzen zufolge verzeichnete das Unternehmen zu diesem Zeitpunkt einen Gewinn von rund 2,5 Millionen Euro, tatsächlich befand sich der Betreiber von 56 Seniorenheimen im Verlustbereich von 9 Millionen Euro.

Schaden von mehreren hundert Millionen Euro

Wegen der manipulierten Bilanzen sei es im Aktienhandel auch zu überhöhten Gewinnausschüttungen gekommen, hieß es. Damit seien zahlreiche Versicherungen wie auch Privatanleger getäuscht worden. Der Schaden wird von der Staatsanwaltschaft mit mehreren hundert Millionen Euro beziffert. Die Machenschaften flogen 1999 auf.

Gegründet wurde das Unternehmen 1994 von dem Architekten Paul Kostrewa. Ende August 1997 folgte bereits das IPO und die Platzierung am Neuen Markt durch den Finanzdienstleister Gold-Zack.

Der Insolvenzantrag im Juni 2001 wurde von der Pako Immobilien AG - einer Beteiligungsgesellschaft der Gold Zack AG - gestellt, die an Refugium 27 Seniorenheime vermietet hatte und Miet-Rückstände von insgesamt rund 9,7 Millionen Euro geltend machte.

Unmittellbar vor der Insolvenz hatte die Refugium Holding AG bereits vier ehemalige Vorstandsmitglieder auf mehr als 12 Millionen Mark Schadensersatz verklagt. Das Unternehmen warf den Managern vor, falsche Bilanzen vorgelegt zu haben. Dadurch sei es in den Jahren 1997 und 1998 zu Dividenden-Ausschüttungen an die Aktionäre gekommen, die jeder Grundlage entbehrten.

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