Tourismusanalyse Letzte Konsum-Bastion wankt

Zeit des Wandels. Riesige Wachstumsraten sind in der Branche nicht mehr zu erwarten: Die Deutschen fahren immer kürzer in Urlaub.

Hamburg - Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer der Deutschen an ihrem Ferienort ist seit 1980 kontinuierlich gesunken: von 18,2 auf 15,1 Tage. Das geht aus einer Untersuchung des Freizeitforschungsinstituts der British-American Tobacco (B.A.T.) hervor, die am Montag in Hamburg veröffentlicht wurde. Vor allem die innerdeutschen Urlaubsziele bekämen diese Verkürzung zuspüren.

Der Leiter des Instituts, Horst Opaschowski, begründete die Entwicklung unter anderem mit den knappen Urlaubsbudgets, die die Reiselust dämpften. Jeder dritte Urlauber müsse in den Ferien gleichermaßen auf Geld und Zeit achten. Die Urlaubsreise als "letzte Konsum-Bastion der Deutschen gerät ins Wanken, aber sie stürzt nicht", sagte Opaschowski vor Journalisten.

40 Prozent der Deutschen verreisten der Untersuchung zufolge 1998 gar nicht. Von den Urlaubsreisenden hätten 38 Prozent ihre Ferien im Inland und 62 Prozent im Ausland verbracht. Beliebtestes Urlaubsziel der Deutschen war 1998 einmal mehr Spanien, wo 15 Prozent aller Reisenden ihre Ferien verbrachten. Damit stehe das Land "einsam an der Spitze", heißt es in der Studie. Italien stagnierte bei acht Prozent, der Anteil der Türkei sank von vier auf drei Prozent. Unter den Fernreisezielen kamen die USA und die Karibik auf je zwei Prozent.

Die beliebtesten Inlandsreiseziele blieben die Ostsee mit einem Anteil von acht Prozent sowie die Nordseeküste und Bayern mit jeweils sieben Prozent. Seit der Vereinigung Deutschlands müßten vor allem westdeutsche Reiseziele um ihre Attraktivität bangen, hieß es. Die inländischen Reiseströme würden zunehmend von den Urlaubern aus den neuen Bundesländern bestimmt, weil die Westdeutschen ihre Ferien immer häufiger im Ausland verbrächten.

Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer der Inlandsurlauber lag bei 12,9 Tagen, die der Auslandsurlauber bei 15,7 Tagen in Europa und 20,9 Tagen in Übersee. Spitzenreiter unter den Inlandszielen war mit einer Aufenthaltsdauer von durchschnittlich 14,7 Tagen weiterhin die Nordseeküste. Mit 14,3 Tagen knapp dahinter lag die Ostseeküste Schleswig-Holsteins. In Bayern hielt sich ein Urlauber im Schnitt 13, in den ostdeutschen Urlaubsorten 11,3 Tage auf. Spitzenreiter unter den Fernreisezielen waren die USA mit 23,1 und die Karibik mit 17,5 Tagen.

Das B.A.T.-Institut befragt für seine Tourismusanalyse regelmäßig 5000 Bundesbürger ab 14 Jahren.

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