Metabox Ein Fall für den Kadi

Die Ermittlungen bei der Skandalfirma haben offenbar zu einer Anklage gegen den Gründer Stefan Domeyer geführt. Der Ex-CEO soll sich des Kursbetrugs schuldig gemacht haben.
Von Clemens von Frentz

München/Hannover - Nach monatelangen Ermittlungen hat die Staatsanwaltschaft Hannover nun Anklage gegen den ehemaligen Metabox-Chef Stefan Domeyer erhoben. Das berichtet das Nachrichtenmagazin "Focus". Domeyer soll sich vor der 10. Großen Strafkammer des Landgerichts Hildesheim wegen Kursbetrugs in zwei Fällen verantworten.

Die einst am Neuen Markt notierte Metabox AG , laut Eigenauskunft "Kompetenzträger zur Einführung und Durchsetzung des interaktiven Fernsehens", hatte in der Vergangenheit mehrfach mit Ad-hoc-Meldungen für Aufsehen, aber auch für Verärgerung gesorgt, da entscheidende Details der gemeldeten Abschlüsse oft unerwähnt blieben. So weigerte sich Firmengründer Stefan Domeyer beispielsweise jahrelang, Namen der gemeldeten Vertragspartner zu nennen, was Anleger und Juristen gleichermaßen misstrauisch machte.

Bei der jetzt vorgelegten Klageschrift, die nach Informationen von manager-magazin.de 31 Seiten umfasst und auf den 18. Dezember 2002 datiert ist, geht es vor allem um zwei Ad-Hoc-Meldungen: Eine wurde herausgegeben am 10. April 2000, die andere am 28. Juni 2000.

Rasanter Kursanstieg nach positiver Meldung

In der ersten Meldung hieß es wörtlich: "Die Metabox International AG, die für das internationale Geschäft zuständige Tochtergesellschaft des Hildesheimer Set-Top-Boxen-Herstellers Met@box AG (MBX), hat eine strategische Allianz mit einem ausländischen Unternehmen geschlossen. Vereinbart wurde die Lieferung von Multimedia-Set-Top-Boxen, Server-Technologie und BOT-Ausstattung im Wert von einer halben Milliarde Deutsche Mark."

Aufgrund der hohen Vertragssumme kam es im Umfeld der Meldung zu einem erheblichen Kursanstieg der Aktie, zumal gleichzeitig die Planzahlen des Unternehmens deutlich angehoben wurden. Das Papier stieg am Tag der Meldung auf 47,90 Euro, ein Plus von über 22 Prozent.

Ähnlich stark reagierte die Aktie bei der Meldung vom 28. Juni 2000. Dort hieß es unter anderem, man habe einen "Letter of Intend mit Inter-Nordic (Odense, Dänemark) über insgesamt 1,8 Millionen Metabox-Set-Top-Boxen geschlossen". Inter-Nordic sei "ein Zusammenschluss von Investoren aus Dänemark, Schweden, Norwegen, Finnland und Island". Außerdem sei für diese Länder "eine exklusive Zusammenarbeit mit der Metabox AG vereinbart" worden.

Die Anleger hörten dies mit Freude. Das "Handelsblatt" berichtetete am 7. Juli 2000: "... die so genannten Metaboxen - Geräte für einen Internet-Zugang über das Fernsehgerät - verkaufen sich inzwischen wie warme Semmeln. Gestern meldete das Unternehmen bereits den dritten Großauftrag innerhalb einer Woche."

Weiter heißt es: "Diesmal sollen 500 000 Boxen mit einem Volumen von knapp 400 Millionen DM an die französische Worldsat geliefert werden. Die Metabox-Aktie gewann 45,4 Prozent auf 187,75 Euro. Binnen einer Woche hat sich ihr Kurs fast verdreifacht."

Bald allerdings wurden Zweifel am Wahrheitsgehalt der Meldungen laut. Anfang 2001 kam es zu einer umfangreichen Razzia bei Metabox, bei der Geschäftsräume und Privatwohnungen von leitenden Angestellten durchsucht wurden.

"Wir haben uns nichts vorzuwerfen"

Im Jahresbericht 2001 des Bundeskriminalamtes (BKA) heißt es dazu: "Ein bedeutendes Ermittlungsverfahren im Bereich der Wirtschaftskriminalität steht in direktem Zusammenhang mit dem seit 1997 Jahren bestehenden Neuen Markt ... Im hiesigen Fall wurde gegen die Verantwortlichen der dort emittierten niedersächsischen Firmen 'Metabox AG' und 'mb-software AG' wegen diverser Verstöße nach dem Wertpapierhandelsgesetz (WpHG) und anderer Rechtsvorschriften ermittelt."

Weiter ist zu lesen: "Hier besteht der Verdacht, dass Verantwortliche dieser beiden Firmen in Zusammenhang mit den jeweiligen Aktienemissionen am NM als auch im weiteren Handelsgeschäft erhebliche Verstöße des Kapitalanlagebetruges gem. § 264 a StGB, der Kursmanipulation gem. § 88 I Börsengesetz (BörsG) durch Herausgabe falscher Ad-hoc-Meldungen und des Verstoßes gg. das WpHG durch Insidergeschäfte tätigten."

Die zunächst anonym geäußerten Insider-Beschuldigungen, so das BKA, "konnten durch umfangreiche Ermittlungen verifiziert" werden. Daher seien bei einem ehemaligen Vorstands sowie einem früheren Aufsichtsratsmitglied der Metabox AG ein Haftbefehl vollstreckt sowie erhebliche Vermögenswerte eingezogen worden.

Stefan Domeyer selbst reagierte auf den Magazin-Bericht über die Anklage demonstrativ entspannt. Gegenüber manager-magazin.de sagte er: "Ich habe noch keine Klageschrift, und meine Anwälte auch nicht." Im übrigen sieht er einem möglichen Verfahren nach eigener Auskunft "absolut gelassen" entgegen. Domeyer: "Es hat sich ja nichts an den Tatsachen geändert. Die Meldungen, die wir damals herausgegeben haben, waren nicht zu beanstanden. Wir haben uns nichts vorzuwerfen."

Vom Sprecher der Staatsanwaltschaft war unterdessen noch keine offizielle Bestätigung der Anklage zu erhalten. Gegenüber manager-magazin.de sagte Sprecher Manfred Knothe: "Wir können dazu offiziell nichts sagen - außer, dass die Akten inzwischen nach Hildesheim geschickt wurden. Ob die Ermittlungen zu einer Anklage geführt haben oder nicht, dürfen wir erst dann mitteilen, wenn dem Beschuldigten seinerseits die Klageschrift zugestellt wurde."

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