ADAC "Pannenopfer werden übervorteilt"

Mit immer härteren Bandagen kämpfen der größte deutsche Auto-Club und die Versicherer um die geldwerte Pannen- und Unfallhilfe.

München/Garmisch - "Wer künftig mit einer Panne liegenbleibt, muß mit eingeschränkter Pannenhilfe und deutlich höheren Kosten rechnen", kritisierte ADAC-Verbraucherschützerin Roswitha Mikulla-Liegert. Der ADAC - beim Rennen um die Übernahme der rund 14.000 Notrufsäulen an deutschen Autobahnen dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) unterlegen - will seinen Unfall-Service mit modernster Mobilfunk-Technik ausweiten. Außerdem sucht der Club neue Versicherungspartner, um preisgünstige Kfz-Policen anzubieten.

Da die Versicherer über keine eigenen Pannenhilfe-Fahrzeuge verfügten, könnten auf die betroffenen Autofahrer hohe Abschlepp- und Werkstattkosten zukommen, sagte die Juristin. Der ADAC habe 1998 mehr als 80 Prozent aller Pannen vor Ort behoben und damit zahlreichen Autofahrern Zeit und Geld erspart. Der Club werde sehr genau beobachten, ob die Versicherer ihre Zusage einhielten, daß auch künftig jeder Autofahrer den Pannenhelfer seiner Wahl anfordern könne. Der ADAC als größter Verein Deutschlands hat 1998 nochmals bei der Mitgliederzahl um 236.000 auf fast 13,9 Millionen zugelegt.

Besonders heftig ging die Leiterin der Verbraucherschutz-Abteilung des ADAC mit den Komplettservice-Angeboten der Versicherer für eine sofortige Unfallhilfe ins Gericht. Die Bestrebungen, Ausgaben für die Schadenregulierung gering zu halten, seien zwar zu begrüßen. Der "schnelle Zugriff auf den Geschädigten" berge aber die Gefahr, daß die Unfallopfer übervorteilt würden, weil sie sich nicht ausreichend über die eigenen Rechte und Wahlmöglichkeiten informieren könnten. So würden des öfteren Zahlungen für Wertminderungen des Autos und Nutzungsausfall zu Unrecht zurückgehalten und die Einschaltung eines freien Sachverständigen verhindert.

Der ADAC will den großen Konzernen der Versicherungsbranche durch die Vermittlung von preiswerten und verbraucherfreundlichen Kfz-Policen für die Mitglieder das Fürchten lehren und sucht dafür geeignete kleinere Partner. Im vergangenen Jahr hatte der Automobilclub die Zusammenarbeit mit den Versicherungskonzernen HUK Coburg, HDI und DEVK aufgekündigt. Diese waren selbst mit Auto-Schutzbriefen - gekoppelt an die eigenen Kfz-Versicherungen - auf den Markt gekommen, die mit einem Preis ab etwa 13 Mark nur rund ein Zehntel des umfangreichen ADAC-Angebotes kosten.

Trotz der stärkeren Konkurrenz sei die Zahl der Schutzbriefe des Automobilclubs im vergangenen Jahr um acht Prozent auf mehr als sechs Millionen gestiegen, berichtete ADAC-Sprecher Michael Ramstetter. Für die Pannenhelfer war es ein Rekordjahr: 3,1 Millionen mal waren die "Gelben Engel" im Einsatz. Dabei gingen nur rund die Hälfte der Hilferufe Ramstetter zufolge von Notrufsäulen aus. Der ADAC will künftig Telematik-Boxen im Auto anbieten, mit denen via Satellit Pannenhilfe und Lotsendienste in Anspruch genommen werden können.

Überlegungen, selbst ins Kfz-Versicherungsgeschäft einzusteigen, sind in den ADAC-Gremien abgeschmettert worden. Das Risiko sei zu hoch, schließlich werde mit Mitgliederbeiträgen gearbeitet, erklärte Raimund Müller, ADAC-Vorstandsmitglied in der Schutzbrief- und der Rechtschutz-Versicherung. "Der ADAC ist kein Versicherungskonzern und wird auch keiner werden", bekräftigte er. 35 Versicherer seien angesprochen worden. Mit vier bis fünf wolle der ADAC künftig zusammenarbeiten, wobei die Kooperation mit der Kravag fortgesetzt werde. Die Versicherungspartner dürften selbst keine integrierten Schutzbriefleistungen anbieten. Müller räumte ein, daß die Suche länger dauert als geplant. Bis Mitte 1999 solle es aber klappen.

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