Samstag, 24. August 2019

Günter Ogger Warum die Sicherungssysteme versagen

6. Teil: Der Fall Schmidt-Bank

Der Fall Schmidt-Bank

Als die in fünfter Generation geführte Privatbank im fränkischen Hof am 19. November 2001 praktisch zahlungsunfähig war und von vier Großbanken unter der Beteiligung der Bayerischen Landesbank übernommen wurde, galt der gesundheitlich angeschlagene Inhaber Karl Gerhardt Schmidt noch als ein Ehrenmann, dem man allenfalls vorwerfen konnte, er habe zu leichtgläubig Kredite an die mittelständischen Unternehmer in der strukturschwachen Region vergeben.

Doch bald kamen Zweifel auf am Geschäftsgebaren des Ex-Bankiers, der nicht nur private Rückschläge (Unfalltod seines ältesten Sohnes) verkraften musste, sondern praktisch sein ganzes Vermögen verlor.

Seit einiger Zeit ermitteln Staatsanwälte in Sachen Bilanzfälschung, Kapitalanlagebetrug und Konkursverschleppung. Um Wertberichtigungen auszugleichen, die durch Kreditausfälle notwendig geworden waren, soll Schmidt im Dezember 2000 Aktien der Tochtergesellschaft Consors zum Schein an eine andere Bank verkauft und den dabei anfallenden Buchgewinn seinen Einnahmen gutgeschrieben haben, obwohl er die Aktien später wieder zurückkaufen musste und deshalb eigentlich gar keinen Gewinn erzielt hatte.

Verübelt wird dem gestrauchelten Banker aber auch, dass er noch im Lauf des Jahres 2001, als ihm die Überschuldung seines Instituts längst klar gewesen sein muss, Aktien, Kapitalzertifikate und Genussscheine im Gesamtwert von mehr als 70 Millionen Euro an gutgläubige Kunden verkaufte, die nach der Pleite der Schmidt-Bank den größten Teil ihrer Einsätze abschreiben mussten.

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