Mittwoch, 21. August 2019

Günter Ogger Warum die Sicherungssysteme versagen

2. Teil: Der Fall Depfa

Der Fall Depfa

Wegen dubioser Kreditgeschäfte mit dem Mannheimer Baulöwen Wilfried Gaul (Wesbau Baubetreuungs-GmbH) erhielt die Deutsche Pfandbriefbank (Depfa) in Wiesbaden im Dezember 2000 Besuch vom Staatsanwalt. Das in der Branche angesehene Institut hatte dem Mannheimer Unternehmer im Jahr 1991 einen Kredit über 104,5 Millionen Mark zum Bau eines Bürohauses in Frankfurt bewilligt.

Das Objekt erwies sich jedoch als schwer vermietbar, und dem Unternehmer ging das Geld aus. Ein scheinbar normales Bankrisiko also. Was die Staatsanwälte auf den Plan rief, war die besondere Fürsorge des Depfa-Vorstands für Gaul, der sich 1996 für zahlungsunfähig erklärte.

Erregte schon die schiere Höhe des Kredits für einen mittelständischen Bauunternehmer Verdacht, so schien der sich durch den Fortgang der Geschäftsbeziehung zwischen Bank und Kreditkunde zu bestätigen.

Denn anstatt den Kredit fällig zu stellen, wie es üblich ist, wenn ein Kunde in Zahlungsverzug gerät, gewährte die Bank dem säumigen Schuldner ein neues Darlehen über knapp sechs Millionen Mark, und schließlich half sie ihm ganz aus der Patsche, indem die Depfa-Tochter GEV die leer stehende Immobilie, deren Verkehrswert auf gut 70 Millionen Mark geschätzt wurde, für stolze 108,3 Millionen ankaufte.

Da die GEV-Manager den überhöhten Preis nicht aus ihrer Kasse zahlen wollten, erhielten sie von der Mutterbank einen "Kaufpreiszuschuss" über 30,5 Millionen Mark.

Immobiliengeschäfte hatten der Wiesbadener Bank schon mehrfach Verluste eingetragen - so beim Kauf der Interhotels in der ehemaligen DDR wie bei der Finanzierung des Großpleitiers Jürgen Schneider. Vorstandschef Tilo Köpfler, privat in wenig erfolgreiche Geschäfte mit dem zu einer Gefängnisstrafe verurteilten Großbetrüger Karl Fütterer verwickelt, kam im Gegensatz zu seiner Bank ungeschoren davon und wechselte vom Vorstand in den Aufsichtsrat des mittlerweile in zwei Banken aufgeteilten Instituts.

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