Rösch Antrag auf Insolvenz gestellt

Die Reihen am Neuen Markt lichten sich. Der Medizintechnik-Produzent wirft das Handtuch. Firmengründer und Ex-Chef Andy Rösch erwägt unterdessen einen Wieder-Einstieg.

Berlin – Das Medizintechnik-Unternehmen Rösch  ist nach eigener Aussage zahlungsunfähig. Am Freitag hat die am Neuen Markt notierte AG beim zuständigen Amtsgericht Berlin-Charlottenburg einen Antrag auf Insolvenz eingereicht. Die Aktie hat darauf um rund 50 Prozent verloren.

Das Berliner Unternehmen entwickelt nadelfreie Spritzen und Messsysteme. Die Produkte sind nach Angaben von Branchenanalysten zwar qualitativ hochwertig, allerdings habe es das Unternehmen versäumt, größere Umsätze zu erwirtschaften. Probleme gab es vor allem in der Vermarktung.

Seit längerem kursierten am Markt bereits Gerüchte über eine angespannte Finanzlage. Anfang Dezember hatte Vorstandschef Burghard Weidler auf der Hauptversammlung eingeräumt, dass die Liquiditätslage "sehr kritisch" sei.

Stada geht nicht mehr von einer Kooperation aus

Weidler sagte damals: "Die Akzeptanz der Rösch-Technologie seitens des Marktes dauert länger als erwartet." In einer Pflichtmitteilung teilte Rösch nun mit, dass die Verhandlungen mit verschiedenen Finanz- und strategischen Investoren nicht erfolgreich gewesen seien. Die notwendigen finanziellen Mittel seien nicht bewilligt worden.

Auch die Hoffnung auf einen Vertrag mit dem hessischen Arzneimittelhersteller Stada  erfüllte sich nicht. Stada begründete dies am Freitag mit der "unklaren Finanzierungsgrundlage". "Wir gehen nicht davon aus, dass es jetzt noch zu einer Kooperation kommt", sagte ein Sprecher.

Vergangenen Juli hatten Stada und Rösch eine Kooperation bei der Vermarktung der von Rösch entwickelten nadellosen Spritze zur Thrombose-Vorbeugung angekündigt. Damals hieß es, es sei eine Absichtserklärung unterzeichnet worden, die eine exklusive Vermarktung des Rösch-Systems Injex OneWay in Lizenz durch Stada in Europa vorsehe.

Rösch setzt nun darauf, dass im Insolvenzverfahren neue Geldgeber gefunden werden. Im Geschäftsjahr 2001/02 (31. Juli) hatte das 1990 gegründete Unternehmen bei einem Umsatz von 3,6 Millionen Euro einen Verlust von 18,75 Millionen ausgewiesen. Zum bisherigen Verlauf des Geschäftsjahres 2002/03 wurden keine Angaben gemacht.

Kehrt Andy Rösch zurück?

Kehrt Firmengründer Andy Rösch zurück?

Die Börse reagierte auf die Ankündigung mit einem massiven Kursrutsch. Im späten Handel notierte das Papier auf 0,45 Euro, ein Minus über 50 Prozent. Damit fiel die Aktie auf ein Allzeittief.

Rösch  ging im Februar 2000 unter der Führung von Concord Effecten an den Neuen Markt. Der Emissionspreis betrug 26 Euro, der erste Börsenkurs wurde bei 60 Euro festgestellt. Das Emissionsvolumen inklusive Greenshoe lag bei 50,2 Millionen Euro, wobei acht Prozent der emittierten Aktien an Anleger aus der Abteilung "Friends & Family" ausgegeben wurden.

Gründung einer neuen Firma

Noch unklar ist die künftige Rolle von Firmengründer und Ex-Chef Andy Rösch, der sein Unternehmen im Streit verlassen und alle Anteile verkauft hatte. Seitdem halte er an der Rösch AG "keine einzige Aktie" mehr, sagte er. Auslöser für sein Ausscheiden im April 2002 soll eine Änderung der Unternehmensstrategie gewesen sein. Das Dentalgeschäft, das mehr als die Hälfte des Umsatzes in die Kassen spülte und Oral-Kameras sowie digitale Röhrengeräte umfasste, wurde damals abgespalten.

Am Freitag signalisierte Andy Rösch jedoch Interesse an einem Wieder-Einstieg. "Ich werde mich bemühen, damit das Unternehmen weiter machen kann", sagte Rösch der Nachrichtenagentur dpa. "Dies hängt jedoch von den Altlasten ab."

Derzeit bereitet Andy Rösch die Gründung einer neuen Firma vor, die sich auf den Vertrieb von Medizintechnik spezialisieren will. Außerdem berät er das US-Unternehmen Equidyne, das kurzzeitig Interesse an einer Fusion bekundet, dann aber abgesagt hatte.

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