Deutsche Bahn Massenentlassungen drohen

Das Unternehmen will binnen fünf Jahren nahezu ein Viertel seiner Beschäftigten loswerden. Das meldet DER SPIEGEL vorab.

Berlin/Hamburg - Die Deutsche Bahn plant, bis zum Jahr 2003 nahezu 60.000 Stellen abzubauen. Der Personalbestand würde damit auf 193.000 Beschäftigte sinken. Das habe die Bundesregierung aus der Bahn-Zentrale in Frankfurt erfahren, schreibt das Hamburger Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL in seiner am Samstag erscheinenden Ausgabe. Bereits im laufenden Jahr wolle das größte bundeseigene Unternehmen die Zahl der Eisenbahner um bis zu 18.000 verringern.

Bahnsprecher Stephan Heimbach bezeichnete die Angaben als nicht neu. Man habe selbst gesagt, daß es für 1999 eine Orientierungsgröße von 18.000 Stellenstreichungen gebe. Was tatsächlich geschehe, hänge aber vom geschäftlichen Verlauf des Jahres ab. Heimbach wollte sich nicht dazu äußern, ob es eine Planzahl gebe, den Personalbestand innerhalb von fünf Jahren um 60.000 zu reduzieren. Bei einem so langen Zeitraum wäre auch dies umso mehr vom Markt abhängig. Wichtig sei jedoch, daß betriebsbedingte Kündigungen durch das Beschäftigungsbündnis Bahn bis 2002 ausgeschlossen seien. Diese Vereinbarung gelte "ohne jede Einschränkung".

Ein Sprecher des Bundesverkehrsministeriums wollte die Angaben ebenfalls nicht bestätigen und deshalb auch keine Wertung abgeben. Auch er verwies auf die Bedeutung der Geschäftsentwicklung für die Personalplanung. Die Gewerkschaft der Eisenbahner Deutschlands (GdED) lehnte die Bahn-Pläne als völlig überzogen ab.

Wie DER SPIEGEL weiter berichtet, soll bis 2003 die Stellenzahl im Bereich Netz von 71.000 auf 40.000 besonders rigoros verringert werden. Das solle durch "volle Ausschöpfung des Potentials aus Fluktuation, Vorruhestand etc." erreicht werden, wie aus einem internen Papier der Bahn AG hervorgehe. Bahn-Chef Johannes Ludewig spreche in dem Schreiben von einer "notwendigen Personalanpassung".

Der verkehrspolitische Sprecher der PDS, Winfried Wolf, sagte, die Zahlen zeigten, daß die Bahn weitere Strecken abbauen und den Schienenverkehr in der Fläche weitgehend aufgeben wolle. Dies bedeute Konzentration auf den ICE-Verkehr "und damit die Orientierung auf die kleine Klientel der Fern- und Geschäftsreisenden", kritisierte Wolf in Bonn.

Der stellvertretende GdED-Vorsitzende Norbert Hansen forderte in Frankfurt statt Stellenstreichungen eine Beschäftigungsoffensive. Der Bahn-Vorstand dürfe sich der Initiative der neuen Bundesregierung zum Abbau der Arbeitslosigkeit nicht entziehen. Zu einer solchen Offensive gehörten die Schaffung und Sicherung von Arbeitsplätzen über das bestehende Beschäftigungsbündnis hinaus, sowie ein Abbau von rund fünf Millionen Überstunden bei der Bahn AG um 80 Prozent. Außerdem strebe die Gewerkschaft tarifliche Vereinbarungen über eine Umwandlung von Lohnbestandteilen in Freizeit an.

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