Pixelpark Fast geschenkt

Die neuen Aktionäre sollen einen Schnäppchenpreis gezahlt haben - einen Euro für je 20,1 Prozent.

Berlin - Der Medienkonzern Bertelsmann hat nach einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ) rund 40 Prozent der Aktien des angeschlagenen Internet-Dienstleisters Pixelpark  praktisch umsonst abgegeben.

Der ehemalige Leiter des Musikkonzerns Universal, Wolf-Dieter Gramatke, und der Eigentümer des Potsdamer Multimedia-Unternehmens Mediacs AG, Axel Fischer, hätten jeweils 20,1 Prozent des Unternehmens für einen symbolischen Kaufpreis von einem Euro übernommen, schreibt die Zeitung in ihrer Dienstagausgabe.

Der Bertelsmann-Konzern, der mehr als 63 Millionen Euro in Pixelpark steckte, besitzt damit noch rund 20 Prozent. Das Gütersloher Unternehmen hatte am Montag bestätigt, dass es sich von seinem Mehrheitsanteil an Pixelpark getrennt habe. Zum Kaufpreis wurden dabei allerdings keine Angaben gemacht.

Gramatke und Fischer wollen Neefs Rückkehr erzwingen

Die beiden neuen Miteigentümer von Pixelpark gehören zum Umfeld des bisherigen Alleinvorstands Paulus Neef, der kurz vor Weihnachten seine fristlose Kündigung bekommen hatte. Auf einer außerordentlichen Hauptversammlung wollen Gramatke und Fischer nun die Rückkehr des Pixelpark-Gründers durchsetzen. Damit geht der Machtkampf um die Unternehmensführung in eine neue Runde.

Die Krise bei dem einstigen Börsenliebling Pixelpark, der heute hohe Verluste schreibt, hatte sich in den vergangenen Wochen dramatisch zugespitzt. Bisheriger Höhepunkt war dann die Ablösung des 42-jährigen Neef durch den früheren Aufsichtsratschef Jürgen Richter (61). Als Grund für den überraschenden Rausschmiss wurde unter anderem der völlig überteuerte Erwerb eines Schweizer Tochterunternehmens genannt, bei dem private Kontakte Neefs eine Rolle gespielt haben sollen.

Die beiden neuen Aktionäre kritisierten nun, dass durch den "abrupten Vorstandswechsel" das beschlossene Restrukturierungskonzept gefährdet sei. Zugleich verlangten Fischer und Gramatke, Neef wieder zurück in den Vorstand zu holen.

"Das Unternehmen Pixelpark lebt von und mit Paulus Neef", sagte Gramatke der dpa. Zugleich warnte er den Aufsichtsrat vor Schadensersatzforderungen und "gegebenenfalls Klagen".

Die neue Aktionärsstruktur bietet Neef nun die Möglichkeit, gemeinsam mit der Privatbank Sal. Oppenheim ein Comeback einzuleiten. Die Kölner Bank verfügt derzeit über die Stimmrechte für seine eigenen Pixelpark-Anteile von 17,7 Prozent. Zusammen mit den beiden 20-Prozent-Anteilen Gramatkes und Fischers käme er dann auf eine Mehrheit.

Hauptversammlung frühestens Mitte Februar

Bei Pixelpark selbst und dem neuen Vorstandschef Richter war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten. Wegen der gesetzlich vorgeschriebenen Fristen könnte eine Hauptversammlung frühestens Mitte Februar stattfinden.

Das 1991 gegründete Unternehmen gehörte lange Zeit zu den Stars am Neuen Markt. Zu Spitzenzeiten war Pixelpark fast vier Milliarden Euro wert und zählte 1.200 Beschäftigte. Mit dem Zusammenbruch der New Economy waren jedoch auch für Pixelpark die Boomjahre vorbei.

Im vergangenen Jahr schrieben die Berliner 86 Millionen Euro Verlust. Nach dem Sanierungskonzept soll die Gruppe künftig nur noch 230 Mitarbeiter haben, davon knapp 100 in Deutschland.