Stuttgarter Börse Nach einem starken zweiten Halbjahr zufrieden

Die Schwaben trotzen der Börsenkrise. Eine Übernahme soll weiteres Wachstum sichern.

Stuttgart - Trotz der schwachen Verfassung der Kapitalmärkte zeigt sich die zweitgrößte deutsche Börse in Stuttgart mit dem abgelaufenen Jahr zufrieden. "Insgesamt sind wir wieder einmal glimpflicher davon gekommen als andere Handelsplätze", sagte Andreas Willius, Vorstand der Boerse-Stuttgart AG, am Montag in Stuttgart. Nach einem starken zweiten Halbjahr kam die schwäbische Börse im Monatsdurchschnitt von Januar bis November auf einen Marktanteil im deutschen Parketthandel von knapp 24 Prozent.

An allen acht Börsen gingen die Orderzahlen, die für das Ergebnis der Handelsplätze entscheidend sind, im Schnitt um 31 Prozent zurück. In Stuttgart lag das Minus nur bei knapp sechs Prozent. Für einige der Konkurrenten stelle sich daher die Existenzfrage, meinte Siegfried Jaschinski, Aufsichtsratsvorsitzender der Stuttgarter Börse und Vorstand der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). "Wahrscheinlich schreiben nur Frankfurt und Stuttgart operativ schwarze Zahlen."

Übernahme von Euwax geplant

Der Stuttgarter Handelsplatz will seine eigene Position durch die Übernahme des selbst börsennotierten Kursmaklers Euwax Broker AG stärken. Für die angepeilten 75 Prozent der Anteile an Euwax Broker zahle der Börsenverein, der Eigentümer der Boerse-Stuttgart AG ist, rund 45 Millionen Euro, sagte Jaschinski. Euwax ist bundesweit bekannt als Marktführer im Handel mit Optionsscheinen und Zertifikaten, der den Erfolg der Stuttgarter Börse bei Privatanlegern begründet hat. Seit der Fusion mit einem anderen Makler ist das Unternehmen breiter aufgestellt und handelt auch mit Rentenpapieren und inländischen Aktien.

Künftig sollen die Aufsichtsräte von Börse und Euwax Broker jeweils mit unterschiedlichen Mitgliedern besetzt werden, um die Unabhängigkeit des Handelsplatzes zu garantieren. Mit dem Segment Bond-X, das im neuen Jahr in Stuttgart startet, sollen sich die Aufträge von Privatanlegern für festverzinslichen Wertpapiere bis Ende 2003 verdoppeln. Der Umsatz mit Aktien ging 2002 um mehr als 36 Prozent zurück. "Es wird sehr viel Zeit in Anspruch nehmen, das verlorene Vertrauen in Aktienanlagen zurückzugewinnen", sagte Gerold Feller, Chefhändler für Aktien bei Euwax Broker.