Telekom Schafft der Konzern die Wende?

Entscheidungsjahr für Konzernchef Ricke. 2003 muss der Schuldenberg deutlich abgebaut werden.

Bonn - Für die Deutsche Telekom  wird 2003 ein Konsolidierungsjahr. Nur mit größten Anstrengungen wird der Bonner Konzern sein Schuldenziel von rund 50 Milliarden Euro zum Ende des Jahres erreichen können. Der neue Mann an der Spitze des größten europäischen Telekomkonzerns, Kai-Uwe Ricke, verfolgt dabei ein ehrgeiziges Ziel: Trotz der Belastung aus dem Abbau der Verbindlichkeiten soll die Telekom weiter wachsen.

Als Garant für das Wachstum gilt wie schon 2002 das Mobilfunkgeschäft. Vor allem der Zuwachs in den USA liegt deutlich über den Erwartungen. Ungeachtet der guten Entwicklung schließt Ricke eine Fusion von VoiceStream mit einem Wettbewerber nicht aus. Ein Verkauf der überteuert eingekauften US-Beteiligung ist aber vom Tisch.

Das starke Mobilfunkgeschäft und der Start der neuen Mobilfunkgeneration UMTS im kommenden Jahr können aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Telekom weiterhin Verluste schreibt. Vor 2005 wird der Konzern voraussichtlich keinen Gewinn erwirtschaften. In 2002 wird die Telekom den höchsten Verlust ausweisen, den je ein Dax-Unternehmen erwirtschaftet hatte. Nach den ersten neun Monaten betrug der Fehlbetrag wegen hoher Sonderabschreibungen bereits 24,5 Milliarden Euro.

Den Hauptaugenmerk werden die Telekom-Manager 2003 auf die Entschuldungen legen. Dazu soll neben dem Verkauf von Randbereichen und Immobilien ein deutlich höherer Kapitalfluss (Free Cash Flow) beitragen. Strenger überdacht werden auch die Investitionen, die bereits 2002 zusammengeschmolzen wurden. Ungeachtet des Sparzwangs will die Telekom im kommenden Jahr das operative Ergebnis und den Umsatz steigern. Finanzvorstand Eick hatte Mitte November gesagt, er fühle sich beim Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) mit einem Korridor zwischen 16,7 und 17,7 Milliarden Euro wohl.

Im vergangenen Jahr büßte die Telekom bei den Anlegern viel Vertrauen ein. Für Ärger sorgten etwa die üppige Erhöhung der Vorstandsbezüge. Der Posten stieg in der Bilanz um rund 90 Prozent auf 17,4 Millionen Euro. Vor dem Hintergrund des drastischen Kurseinbruchs trieb dies die Aktionäre auf die Barrikaden. Den einst gefeierte Vorstandschef Ron Sommer belegten die Aktionäre auf der Hauptversammlung mit wüsten Schimpftiraden.

Den Höhepunkt bildete aber zweifelsohne das Ränkespiel, das mit dem Rücktritt von Sommer endete. Ob Bundeskanzler Gerhard Schröder wirklich den Abgang des Managers aktiv betrieben hat, lässt sich nicht definitiv beweisen. In der öffentlichen Wahrnehmung verkam die Telekom aber zum Spielball eines Politikers, der mit allen Mitteln versucht seine Wahlchancen zu verbessern.

Den entstandenen Vertrauensverlust muss nun der neue Telekom-Chef beheben. Erste Erfolge kann er dabei schon aufweisen. Mit dem schnellen Abverkauf von T-Online-Aktien  erntete Ricke bei den Analysten Zustimmung. Dadurch und durch die Abgabe weitere Beteiligungen nahm der Branchenprimus binnen weniger Wochen rund 900 Millionen Euro ein. Insgesamt will der Konzern durch die Verkauf von Randbeteiligungen über sechs Milliarden Euro einnehmen. Auf der Verkaufsliste stehen unter anderem noch DeTeMedien sowie die sechs TV-Kabeltöchter. Weiter auf Eis liegt der Börsengang der Mobilfunksparte T-Mobile. Nachdem dieser mehrfach verschoben wurde, ist auch für 2003 nicht damit zu rechnen.

Ob Ricke mit seinem Kurs Erfolg hat, wird sich bald zeigen. Die Ratingagentur Moody`s prüft derzeit eine Herabstufung der Kreditwürdigkeit (aktuell "Baa1"). Bei einer Abstufung befände sich die T-Aktie wohl wieder auf dem Verkaufszettel vieler Investoren. Anfang 2003 Jahres wollen die Moody´s-Experten ihr Ergebnis vorlegen.

Martin Murphy, dpa-AFX

T-Aktie: Chronik des Niedergangs

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