Krankenkassen Milliardenverluste durch Betrug

Im deutschen Gesundheitswesen gibt es offenbar mehr Fälle von Betrug als bisher angenommen. Der Schaden geht laut AOK in die Milliarden.

Hannover - Das deutsche Gesundheitswesen verliert durch betrügerische Abrechnungen Milliardensummen. Zu diesem hochgerechneten Ergebnis kommt die AOK Niedersachsen nach der Auswertung von 170 Hinweisen. "Bei den Verfehlungen handelt es sich hauptsächlich um die Abrechnung nicht erbrachter Leistungen und die Geltendmachung unrechtmäßig überhöhter Preise", erläuterte Heinz Landig, Vorstandsvorsitzender der AOK Niedersachsen. Die Manipulationen seien in fast allen Berufszweigen des Gesundheitswesens zu beobachten.

"Insgesamt ist uns allein aus diesen Fällen ein Schaden von weit mehr als zehn Millionen Mark entstanden", sagte Peter Scherler, Leiter einer vor einem Jahr gegründeten Untersuchungsgruppe der AOK, am Freitag in Hannover. Bisher habe die Krankenkasse rund 3,2 Millionen Mark davon zurückerhalten. In einigen Fällen seien die Rechtsverstöße so schwer, daß die AOK die Staatsanwaltschaft eingeschaltet habe.

Möglich wurden die Manipulationen vor allem wegen des immer komplexer gewordenen Abrechnungssystems. So habe in einem konkreten Fall ein Augenarzt ein Präparat für drei Mark beim Lieferanten erworben, es anschließend jedoch über Briefkastenfirmen zu einem höheren Preis weiterverkauft. Schließlich rechnete der Arzt bei der Krankenkasse die Summe des Endpreises von 76,85 Mark ab. In anderen Fällen wurden Krankentransporte doppelt abgerechnet oder Medikamente unterschlagen.

"Die Geschädigten sind letztlich die Beitragszahler und die korrekt abrechnenden Vertragspartner", sagte Landig. Zudem werde das Vertrauensverhältnis zwischen Krankenkassen und Leistungspartnern empfindlich gestört. Die Mißstände können nach Ansicht Landigs nicht durch eine möglichst lückenlose Rechnungsprüfung der Krankenkassen abgestellt werden. Das sei angesichts der anhaltenden Diskussion über die Verwaltungskosten der Kassen nicht finanzierbar.

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