ThyssenKrupp Hoffnung trotz schwacher Konjunktur

Der Industriekonzern will sein Ergebnis kräftig steigern. Die Aktie zieht stark an.

Essen - ThyssenKrupp will binnen zwei Jahren sein Vorsteuerergebnis mehr als verdreifachen und setzt dabei vor allem auf eine anziehende Stahlnachfrage. Ziel sei es, 2003/04 ein Ergebnis vor Steuern von 1,5 Milliarden Euro zu erzielen, nachdem der Konzern im abgelaufenen Geschäftsjahr 2001/02 rund 419 Millionen Euro erwirtschaftet hatte.

"Wir sind ohne Zweifel auf dem richtigen Weg", sagte Vorstandschef Ekkehard Schulz am Freitag in Essen. Voraussetzung für die geplante Ergebnissteigerung im laufenden Geschäftsjahr sei indes, dass Unsicherheiten in Politik und Konjunktur die wirtschaftlichen Bedingungen nicht eintrübten. Für das erste Halbjahr 2002/03 erwarte der Konzern, dass es sich ähnlich wie das starke zweite Halbjahr des abgelaufenen Geschäftsjahres entwickeln werde. Beim Umsatz peile der Konzern 2002/03 etwa 38 Milliarden Euro an, hieß es ergänzend im Geschäftsbericht. Die Thyssen-Aktie  legte am Vormittag fast sieben Prozent auf 10,80 Euro zu.

ThyssenKrupp erwartet steigende Stahlnachfrage

Einen erheblichen Ergebnisbeitrag dürfte das Stahlgeschäft des Konzerns liefern, hieß es im Geschäftsbericht weiter. 2003 erwarte der Konzern eine verbrauchsbedingt weltweit steigende Nachfrage nach Stahl. Auch die Rohstahlerzeugung werde 2003 um sechs Prozent auf 940 Millionen Tonnen zulegen. In Deutschland werde voraussichtlich eine Jahresproduktion von rund 45 Millionen Tonnen erreicht. 2001/02 erzielte ThyssenKrupp mit 11,7 (12,5) Milliarden Euro im Stahlgeschäft rund ein Drittel seiner Gesamtumsätze.

Konzern strebt höhere Dividende bei besseren Erträgen an

ThyssenKrupp stellte in seinem Geschäftsbericht zudem für 2002/03 eine höhere Dividende in Aussicht, sollte die angestrebte Ergebnisverbesserung erreicht werden. Für 2001/02 sollen die Aktionäre wegen des Gewinnrückgangs eine auf 0,40 (Vorjahr 0,60) Euro gekürzte Dividende erhalten.

Probleme bei Werkzeugmaschinengeschäft

Die gemeinsam mit Gildemeister angestrebte Bündelung der Werkzeugmaschinengeschäfte lässt sich nach Angaben von ThyssenKrupp indes vorerst nicht umsetzen. Nun würden alternative Lösungen gesucht.

"Trotz positiver Bewertung des industriellen Konzeptes lässt sich eine Bündelung der Werkzeugmaschinengeschäfte derzeit nicht umsetzen", teilte der Mischkonzern weiter mit. Beide Seiten würden ihre Gespräche aber fortsetzen, um alternative Lösungen zu suchen und das Konzept möglicherweise in Stufen oder in Teilbereichen umzusetzen. Auch Gildemeister teilte mit, die im Juli angekündigte Bündelung der Werkzeugmaschinengeschäfte mit ThyssenKrupp sei derzeit nicht realisierbar. Durch die Transaktion wäre ThyssenKrupp mit 25 bis 29 Prozent größter Einzelaktionär bei Gildemeister geworden.

Schuldenabbau stand 2001/02 im Vordergrund

Auf Grund der schwachen Konjunktur hatte der Konzern im abgelaufenen Geschäftsjahr 2001/02 (zum 30. September) einen deutlichen Gewinnrückgang verbucht und seinen Schuldenabbau mit großen Schritten fortgesetzt. Der Gewinn vor Steuern verringerte sich auf 419 (Vorjahr 774) Millionen Euro, der Überschuss auf 216 (665) Millionen Euro. Dabei wurden Gewinne aus dem Verkauf von Beteiligungen nicht berücksichtigt.

Als Folge des Gewinnrückgangs soll die Dividende um 20 Cent auf 0,40 Euro gekürzt werden. Der Schuldenberg wurde um 1,7 Milliarden Euro auf 4,7 Milliarden Euro verringert. Der Schuldenabbau war nach Unternehmensangaben zum großen Teil mit den Erlösen aus Veräußerungen erreicht worden. ThyssenKrupp hatte unter anderem seine Ruhrgas-Beteiligung an Eon für knapp 500 Millionen Euro verkauft, ohne die Veräußerung jedoch an die Realisiserung der Fusion von Eon mit der Ruhrgas zu knüpfen.