US-Wirtschaft Der Krieg und die Konjunktur

Notenbankchef Alan Greenspan warnt eindringlich vor den "geopolitischen Risiken", die von der Irak-Krise ausgehen. Doch es gibt auch US-Ökonomen, die eine kriegsbedingte Klettertour im Dow erwarten.

New York - Die US-Wirtschaft ist nach Einschätzung von US-Notenbankchef Alan Greenspan dabei, ihre Schwächephase zu überwinden. Dafür habe es einige Anzeichen seit der Senkung des Leitzinses auf 1,25 Prozent Anfang November gegeben, sagte Greenspan bei einer Rede vor dem New Yorker Wirtschaftsclub.

Doch Greenspan wäre nicht Greenspan, wenn er vorsichtig optimistische Töne nicht sofort mit einer Einschränkung versehen würde. So wies der Notenbankchef auf die Kriegsrisiken für die Konjunktur hin: Die "geopolitische Lage" stelle eine "bedeutende Barriere" für Investitionen dar.

Eine sinkende Nachfrage bei sinkenden Preisen (Deflation) sei gefährlicher als Inflation, betonte der Währungshüter. Die USA drohten jedoch nicht, wie Japan in eine Deflation abzugleiten. Die Fed arbeite mit "erhöhter Wachsamkeit" daran, eine Abnahme des Preisniveaus zu verhindern, sagte Greenspan. Anders als die japanischen Notenbanker hat die US-Notenbank frühzeitig mit einer aggressiven Zinssenkungsstrategie versucht, die Nachfrage anzukurbeln.

Der Krieg und die Konjunktur

Es ist ungewöhnlich, dass sich der einflussreiche Notenbanker so deutlich zu den Risiken eines immer wahrscheinlicher werdenden Feldzugs der USA gegen den Irak äußert. Bedeutsam sind Greenspans Äußerungen auch vor dem Hintergrund der Diskussion unter amerikanischen Wirtschaftswissenschaftlern darüber, wie sich ein Krieg unter dem Strich auf die US-Wirtschaft auswirkt.

Einige Experten, etwa der Yale-Professor William Nordhaus, warnen vor den erheblichen finanziellen Risiken eines Krieges. Dagegen glaubt Lawrence Kudlow, ehemaliger Berater des Ex-Präsidenten Ronald Reagan, dass ein Krieg der US-Wirtschaft helfe. In einem Kommentar mit dem Titel "Den Markt mit Gewalt zurückerobern" zeigte er sich sogar zuversichtlich, dass der Krieg den Dow Jones "um ein paar tausend Punkte" anheben könnte.

Letzte Hoffnung Zinssenkung

Greenspan sagte, nach der Zinssenkung im November gebe es Anzeichen dafür, dass sich die US-Wirtschaft von der leichten Schwächephase erhole. Die Fed hatte Anfang November den Leitzins überraschend deutlich um 50 Basispunkte auf 1,25 Prozent gesenkt und dies damit begründet, der US-Konjunktur solle durch ihre "leichte Schwächephase" geholfen werden.

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