Metall-Konflikt Es riecht nach Streik

Die Gewerkschaft hat die Weichen für einen Streik gestellt. Die IG-Metall-Tarifkommissionen für NRW, Norddeutschland und Bayern haben die Verhandlungen für gescheitert erklärt. Die Arbeitgeber wollen nun schnell eine Schlichtung.

Hamburg - Die Arbeitgeber im Südwesten haben zur Lösung des Konfliktes in der Metallindustrie eine Schlichtung vorgeschlagen. Der Chef des Verbands der Metallindustrie Baden- Württemberg, Klaus Fritsche, sprach sich am Donnerstag unmittelbar nach dem Urabstimmungsantrag der Großen Tarifkommission in Baden- Württemberg für eine Schlichtung außerhalb des üblichen Schlichtungsverfahrens aus. Fritsche: "Wir müssen gemeinsam alle Anstrengungen unternehmen, um einen Arbeitskampf zu vermeiden." Eine solche Lösung außerhalb des straffen Reglements, das im Schlichtungsabkommen festgelegt ist, mache die Tarifpartner freier und beschleunige die Gespräche, hieß es.

Einstimmig haben die Gremien der IG Metall-Tarfikommissionen beim Frankfurter Gewerkschaftsvorstand die Einleitung von Urabstimmungen beantragt. Im Laufe des Tages wurden weitere Anträge aus dem Tarifbezirken auf Streikvorbereitung erwartet. In welchem Tarifgebiet der Arbeitskampf geführt wird, will der Gewerkschaftsvorstand an diesem Sonntag auf einer Sondersitzung in Frankfurt beschließen.

Der zweite Vorsitzende der IG Metall, Jürgen Peters, rechnet mit einem Beginn des Arbeitskampfes am 1. März. "Dieser Ablauf ist zwangsläufig", sagte er am Donnerstag in Leipzig. Der letzte Flächenstreik der Metaller wurde 1995 in Bayern ausgetragen.

Nach dem bisherigen Zeitplan wird die Urabstimmung vom 22. bis 24. Februar laufen. Die erforderliche Zustimmung von 75 Prozent der Gewerkschaftsmitglieder gilt als sicher. Nur einen Tag später - am 25. Februar - ist die Fortsetzung der Bonner Gespräche über ein Bündnis für Arbeit geplant, die zunehmend durch den Tarifkonflikt im größten deutschen Industriezweig belastet sind.

Nach dem Präsidenten des Deutschen Industrie- und Handelstages (DIHT), Hans Peter Stihl, sprach sich auch der Chef des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Hans-Olaf Henkel, für eine Absage der Kanzlergespräche für den Fall eines Arbeitskampfes aus. IG-Metall-Vize Peters warf den Arbeitgebern vor, es gebe "eine kleine, aber einflußreiche Gruppe von Scharfmachern", die die IG Metall in den Streik treiben und so das Bündnis für Arbeit kippen wolle.

Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) mahnte indessen die Arbeitgeber, das Bündnis für Arbeit nicht zu gefährden. Der "Süddeutschen Zeitung" sagte er zugleich: "Ich glaube nicht, daß das Bündnis gefährdet ist, gleichgültig, wie die Tarifverhandlungen ausgehen."

Der Ausgangsforderung der Gewerkschaft von 6,5 Prozent stand zuletzt ein Arbeitgeberangebot von 2,3 Prozent mehr Lohn und Gehalt sowie eine Einmalzahlung von 0,5 Prozent des Jahreseinkommens gegenüber. Neben der Höhe des Angebots kritisiert die Gewerkschaft vor allem, daß die Einmalzahlung von der Ertragslage des Unternehmens abhängig gemacht werden soll.

Wie schon IG-Metall-Chef Klaus Zwickel betonte auch sein Stellvertreter Peters, daß die größte deutsche Gewerkschaft einen Streik nicht wolle. Sie werde aber eine solche Kraftprobe bestehen. "Wenn sich Arbeitgeber verweigern, bleibt Arbeitnehmern nichts anderes übrig, als sich auch zu verweigern und zwar am Arbeitsplatz."

Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall bekräftigte, daß ein Abschluß zwischen 2,5 und drei Prozent "vernünftig" sei. Wegen der unterschiedlichen wirtschaftlichen Lage der Betriebe müßten aber flexible Regelungen - wie ein ertragsabhängiges Weihnachtsgeld - vereinbart werden, sagte Gesamtmetall-Vorstandsmitglied Hans Werner Busch im ZDF-Morgenmagazin.

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